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Dritter Tag, an dem Russland Kiews Brücken angreift: die Stadt in zwei Ufer geteilt, westliche Botschaften bereiten einen Plan B vor

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Dritter Tag, an dem Russland Kiews Brücken angreift: die Stadt in zwei Ufer geteilt, westliche Botschaften bereiten einen Plan B vor

Den dritten Tag in Folge treffen russische Angriffe die Brücken über den Dnipro in Kiew. Am Morgen des 3. Oktober war die Nordbrücke dran: Fahrbahn und Oberleitung der Trolleybusse wurden beschädigt, der Verkehr vom linken zum rechten Ufer vorübergehend gestoppt. Bürgermeister Vitali Klitschko bestätigte den Treffer. Angaben zu Toten oder Verletzten gibt es bisher nicht.

Davor fiel die Südbrücke, eine der Hauptschlagadern der Stadt. Sie wurde in weniger als zwei Tagen mehrfach getroffen und ist jetzt komplett gesperrt, auch auf den anderen Übergängen gelten Einschränkungen. Beim ersten Angriff explodierte eine Drohne an der Tragkonstruktion, genau als ein Metrozug über die Brücke fuhr. Die Fahrgäste blieben unverletzt, doch der Staub der Explosion drang in die Waggons, und die Metro stand still.

Die halbe Stadt am falschen Ufer

Warum sind die Brücken ein so wunder Punkt? Mehr als ein Drittel der Kiewer lebt am linken Ufer, ein großer Teil der Institutionen, Geschäftszentren und Arbeitsplätze liegt am rechten. Jede Sperrung von ein paar Minuten erzeugt Staus. Bewohner erzählten Reportern, sie hätten bis zu drei Stunden zur Arbeit gebraucht, manche steigen aus den Bussen aus und gehen zu Fuß weiter.

Moskau behauptet, es greife Infrastruktur an, die auch die ukrainische Armee für die Logistik nutzt. Kiew antwortet, die Folgen spürten direkt Hunderttausende Menschen, die jeden Tag den Dnipro überqueren müssen. Beide Behauptungen können gleichzeitig stimmen, und darin liegt der Zynismus dieser Art Krieg: Dieselbe Brücke ist Militärroute und Schulweg.

Nach ukrainischen Quellen werden bei den jüngsten Angriffen neue strahlgetriebene Varianten der „Geran“ eingesetzt, deutlich schneller als die älteren Drohnen mit Kolbenmotor. Das genaue Modell ist für keinen Angriff offiziell bestätigt. Bestätigt ist das Datum: Bis zum 1. Oktober waren Kiews Hauptbrücken kein systematisches direktes Ziel. Seitdem sind sie es.

Brand in Arzneimittellagern, Plan B in den Botschaften

Während die Stadt mit dem Verkehr kämpfte, stieg nordwestlich von Kiew eine schwarze Rauchsäule auf. In Hostomel brach nach einem russischen Angriff ein Großbrand in den Lagern von „Venta LTD“ aus, einem Pharmagroßhändler, der die Region Kiew beliefert und mit über 450 Arzneimittellieferanten zusammenarbeitet, darunter Bayer, Pfizer, Sanofi und Teva. Mindestens zwei Menschen wurden verletzt: ein 66-jähriger Mann mit Verbrennungen und einer Bauchverletzung und ein achtjähriges Mädchen, das von einem Splitter am Bein getroffen wurde. Wie viele Medikamente verbrannt sind, sagt bisher niemand.

Zur gleichen Zeit sagten zwei hochrangige westliche Diplomaten dem britischen „Guardian“, hinter verschlossenen Türen würden Ausweichszenarien vorbereitet: Falls Russland gezielt ausländische Vertretungen angreift, würden die Botschaften nach Lwiw oder sogar ins östliche Polen umziehen. „Die Lage verschlechtert sich offensichtlich sehr schnell“, sagte einer von ihnen. Bisher verlässt keine westliche Botschaft Kiew. Aber wenn Diplomaten anfangen, die Entfernung nach Lwiw zu messen, ist das eine Botschaft, die Kiew ganz sicher liest.

Der Balkan weiß, wie eine Stadt ohne Brücken aussieht. Novi Sad verlor 1999 seine Donaubrücken, der Wiederaufbau dauerte Jahre. Kiew hat vorerst noch Ausweichübergänge, doch jeder neue Treffer verengt sie. Wie viele Morgen mit drei Stunden Fußmarsch zur Arbeit hält eine Stadt mit drei Millionen Menschen aus?