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28-jährige Mitarbeiterin eines russischen Pestinstituts gestorben: Die USA warnen, Moskau spricht von „Lungenentzündung unbekannter Ursache“

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28-jährige Mitarbeiterin eines russischen Pestinstituts gestorben: Die USA warnen, Moskau spricht von „Lungenentzündung unbekannter Ursache“

Darja Schipilowa war 28 Jahre alt und arbeitete am Irkutsker Forschungsinstitut für Pestbekämpfung Sibiriens und des Fernen Ostens. Am 29. September wurde sie mit schwerer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert, in der Nacht zum 2. Oktober starb sie im Kreiskrankenhaus von Schelechow. Die offizielle Diagnose der russischen Gesundheitsbehörden lautet: „Lungenentzündung unbekannter Ätiologie“.

Die US-Botschaft in Moskau wartete keine Ergebnisse ab. Sie gab eine gesonderte Warnung für amerikanische Staatsbürger heraus, mit der Begründung, ihr seien „Berichte aus dem Gebiet Irkutsk über einen Verdacht auf Lungenpest mit tödlichem Ausgang“ bekannt. Sie verwies auf Quarantänemaßnahmen und Einschränkungen im Krankenhaus und erinnerte an die höchste, vierte Warnstufe des Außenministeriums: nicht reisen. In Kraft ist außerdem die ältere Warnung, wonach US-Bürger in Russland das Land sofort verlassen sollen.

Was bestätigt ist und was geflüstert wird

Der Gouverneur des Gebiets Irkutsk, Igor Kobsew, meldete zunächst den Verdacht auf eine „besonders gefährliche Infektion“. Nach Irkutsk flog eilig Anna Popowa, Chefin der Gesundheitsaufsicht Rospotrebnadsor und oberste Amtsärztin Russlands. Danach tagte die sanitär-epidemiologische Kommission in einer Sondersitzung. Der Leiter des Kreises Schelechow, Maxim Modin, bestätigte, dass seit dem 1. Oktober Einschränkungen gelten. Mehrere Krankenhausstationen nehmen keine Patienten mehr auf und entlassen keine.

Lokale Quellen verbreiteten die Theorie, Schipilowa habe am 25. September bei der Arbeit möglicherweise ein Reagenzglas mit Pesterregern zerbrochen. Diese Theorie wurde zur Grundlage einer Reihe von Berichten über einen Laborunfall, offiziell bestätigt ist sie nicht. Rospotrebnadsor erklärt, die Kommission habe keine Zwischenfälle beim Umgang mit pathogenen Mikroorganismen gefunden, und in den Biopsieproben gebe es keine Mikroorganismen, die mit ihrer Arbeit zusammenhängen.

Hier liegt das Paradox. Die Todesursache ist „unbekannt“, doch die Behörden wissen sicher, was sie nicht ist. Wenn ein Institut, dessen Aufgabe die Pestbekämpfung ist, nicht öffentlich sagen kann, woran die eigene Mitarbeiterin gestorben ist, kommt das Misstrauen nicht von Verschwörungstheorien, sondern von den Lücken in den Mitteilungen.

Rund 200 Menschen unter Beobachtung

Rund 200 Menschen, die Kontakt zu der Verstorbenen hatten, wurden unter ärztliche Beobachtung gestellt. Bis zum Abend des 5. Oktober meldete Rospotrebnadsor zwei Fälle von Covid-19 und zwei Rhinovirus-Infektionen, aber keine anderen Erreger gefährlicher Infektionskrankheiten. Bis zum 6. Oktober wurde die Beobachtung von rund 60 Prozent der Kontaktpersonen beendet.

Die Lungenpest wird vom Bakterium Yersinia pestis verursacht. Anders als die häufigere Beulenpest wird sie von Mensch zu Mensch über Tröpfchen aus den Atemwegen übertragen. Unbehandelt kann sie sehr schnell töten, moderne Antibiotika wirken aber, wenn sie rechtzeitig gegeben werden.

Die Welt erinnert sich noch an die Wochen, als „Lungenentzündung unbekannter Ursache“ nur eine Formulierung in einer Mitteilung aus Wuhan war und nicht die Schlagzeile auf jeder Titelseite. Deshalb liest man eine solche Formulierung heute zweimal. Ob Irkutsk eine abgeschlossene Geschichte ist oder nur eine leise, werden die kommenden Wochen zeigen, nicht die kommenden Mitteilungen.