Jotowa an Mickoski: Gespräche „ohne Ultimaten“, aber zuerst soll Skopje vergessen, dass die Frage bilateral ist
05.10.2026
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12.04.2026
Bosnien und Herzegowina hat gewählt, und wer auf eine Überraschung gehofft hatte, muss weitere vier Jahre warten. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, was der Balkan auswendig kennt: Jedes Volk hat für „die Seinen“ gestimmt, und Komšić, der jahrelang die Idee des Bürgerstaats anbot, ging die Luft aus.
Das Ende der Ära Komšić
Die größte Nachricht kommt aus dem kroatischen Block. Darijana Filipović von der HDZ BiH gewann den kroatischen Sitz im Präsidium deutlich, vor Slaven Kovačević von der Demokratischen Front von Željko Komšić. Nach Auszählung von über 91 Prozent der Wahllokale in der Föderation hatte Filipović 104.293 Stimmen, Kovačević 68.041 und Zdenko Lučić, gemeinsamer Kandidat von fünf kroatischen Oppositionsparteien, 51.284. Berichten zufolge wird Filipović die erste Frau in diesem Amt.
Für die HDZ ist das nicht nur ein Sieg, sondern die Bestätigung einer Kampagne, die sie seit Jahren führt. Komšić holte den kroatischen Sitz mit einem erheblichen Teil der Stimmen bosniakischer Wähler, weshalb die HDZ argumentierte, die Kroaten könnten ihren Vertreter nicht selbst wählen. Diesmal haben sie sie selbst gewählt. Die HDZ BiH ist stärkste Partei in allen vier Kantonen mit kroatischer Mehrheit, im Kanton Westherzegowina holt sie rund 72 Prozent.
Komšić räumte die Niederlage ein und gewann selbst nicht einmal ein Abgeordnetenmandat. „Offensichtlich kam es zu einer ethnischen Homogenisierung der Wählerschaft auf allen Seiten“, sagte er. Seine Partei fiel in der Föderation von 11 auf rund 6 Prozent. Das klingt nach der Niederlage einer Partei, ist aber in Wahrheit ein Urteil über eine Idee - den Bürgerstaat in einem Land, das nach den Maßen von Dayton zugeschnitten ist. Gibt es in Bosnien überhaupt Platz für Politik, die nicht mit der Frage „Wer bist du?“ beginnt?
Dodik: „Ohne Trump wären wir politische Leichen“
In der Republika Srpska gibt es keine Überraschung. Milorad Dodiks SNSD behielt ihre Vormacht: Željka Cvijanović gewann den serbischen Sitz im Präsidium, nach vorläufigen Angaben mit 55,6 Prozent. Savo Minić führt im Rennen um das Präsidentenamt der RS mit rund 202.000 Stimmen vor Branko Blanuša von der SDS mit 160.000, und die SNSD ist auch bei der Parlamentswahl stärkste Partei.
Dodik feierte den Sieg mit einem Lied und sprach dann einen Satz, den man zweimal lesen sollte: „Wäre Trumps grandioser Sieg nicht gewesen, wären wir heute wahrscheinlich politische Leichen, aber dank des neuen Umfelds sind wir jetzt politische Sieger.“ Er dankte auch Putin. Nach Dodiks eigenen Worten wird das Ergebnis in Banja Luka also in Washington und in Moskau geschrieben. Wissen die Wähler in der RS, dass ihre Stimme nur der zweite Faktor war?
Bećirović und die „Balkan-Schweiz“
Im bosniakischen Block gewann Denis Bećirović von der SDP ein neues Mandat, erneut vor Bakir Izetbegović. Izetbegović räumte die Niederlage ein, doch seine SDA ist stärkste Partei in der Föderation - sie wuchs von rund 24 auf über 30 Prozent, und er lässt wissen, ohne die SDA werde eine Regierungsbildung schwierig. Die Partei für BiH sprang von unter 4 auf rund 9 Prozent.
Bećirović rief Zagreb und Belgrad nach seinem Sieg zur Zusammenarbeit auf: „BiH kann eine Balkan-Schweiz sein, und ich fordere Belgrad und Zagreb auf, den Staat BiH mit Respekt zu behandeln, zumindest so, wie Berlin, Paris und Rom die Schweiz behandeln.“ Ein schönes Bild. Nur muss sich die Schweiz nicht nach jeder Wahl fragen, ob sie überhaupt eine funktionierende Regierung bekommt.
Zagreb feiert, die Wähler bleiben zu Hause
Kroatiens Premier Andrej Plenković gratulierte Filipović sofort und erklärte, das kroatische Volk in BiH habe „ab heute Abend eine legitime Vertreterin“. Kroatiens Chefdiplomat Gordan Grlić Radman sprach von „einem weiteren Versuch des Wahl-Engineerings“, der überwunden worden sei. Filipović dankte in ihrer ersten Erklärung wiederum Plenković. Wenn eine Nachbarregierung den Wahlsieg in einem anderen Staat als ihren eigenen feiert, sagt das genug darüber, wie sehr Bosnien wirklich selbst über sich entscheidet.
Es waren auch die ersten landesweiten Wahlen mit biometrischer Wähleridentifikation und optischen Stimmzettelscannern, Wahlbehörden und Beobachter bewerteten sie als die transparentesten seit Dayton. Doch Transparenz holte die Menschen nicht aus ihren Häusern: Bis 18 Uhr hatten nur rund 36 Prozent der 3,4 Millionen registrierten Wähler abgestimmt, in der Föderation rund 30 Prozent. Der Großteil des Landes war offenbar überzeugt, das Ergebnis schon vorher zu kennen.
Jetzt beginnt der schwierigere Teil - die Regierungsbildung auf Staats-, Entitäts- und Kantonsebene. In Bosnien sind Wahlen nur das Aufwärmen. Das eigentliche Spiel ist, wer sich mit wem an den Tisch setzt und wie viele Monate das dauert.
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