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23.04.2026
23.04.2026
12.04.2026
Marko Kričak, Leiter der serbischen Kriminalpolizeidirektion, wurde am 1. November festgenommen. Das ist genau eine Woche, nachdem die Serbische Fortschrittspartei von Aleksandar Vučić die Parlamentswahlen gegen die Studentenliste verloren hat. Mit ihm wurde Boško Sekulović festgenommen, Leiter des Dienstes zur Verbrechensbekämpfung.
Laut serbischen Medien ist Kričak der erste Chef dieser Direktion, der im Amt festgenommen wurde. Die Aktion führte der polizeiliche Antikorruptionsdienst durch, beide sitzen bis zu 48 Stunden in Gewahrsam. Festgenommen haben ihn also Leute aus der Polizei, an deren Spitze er bis gestern saß.
Gürtel auf die Fußsohlen, Kapuze über den Kopf
Die Höhere Staatsanwaltschaft in Belgrad verdächtigt Kričak, am 16. Mai zwischen zwei und drei Uhr morgens gemeinsam mit bisher nicht identifizierten Polizisten einen Mann mit den Initialen N. L. in den Räumen der Direktion misshandelt zu haben. Sie schlugen ihm mit Handflächen und Fäusten auf den Kopf, zogen ihm eine Kapuze über und würgten ihn, zogen ihm dann die Socken aus und schlugen ihn mit einem Gürtel auf die Fußsohlen und den Rücken. Der Mann trug Hämatome am rechten Bein und Fuß davon. Kričaks Verantwortung ist gerichtlich nicht festgestellt: Das sind Verdachtsmomente der Staatsanwaltschaft, kein Urteil.
Das ist die Hälfte des Falls. Die andere Hälfte beginnt mit Aleksandar Nešović, genannt Baja, der am 12. Mai im Restaurant „27“ im Belgrader Viertel Senjak getötet wurde. Der damalige Belgrader Polizeichef Veselin Milić wurde festgenommen, abgesetzt und verbrachte mehr als 50 Tage in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt nun Sekulović, Anzeige gegen ihn erstattet zu haben, obwohl er wusste, dass Milić das Restaurant vor dem Mord verlassen hatte. Aussagen von fünf Personen und Kameraaufnahmen bestätigten das, in der Anzeige fehlten sie jedoch. Kričak soll sie mündlich genehmigt haben.
Anzeigen, dann Beförderung
Vor der Polizei verkaufte Kričak Autos, danach arbeitete er bei der Sicherheits- und Informationsagentur. 2023 übernahm er das Kommando über die Einheit zum Schutz bestimmter Personen und Objekte, deren Mitglieder an Einsätzen gegen Demonstranten beteiligt waren. Die Studentin Nikolina Sinđelić beschuldigte ihn, sie nach einem Protest im August 2025 in der Garage des serbischen Regierungsgebäudes geohrfeigt, ihren Kopf gegen die Wand geschlagen und ihr mit Vergewaltigung gedroht zu haben. Das serbische Innenministerium wies die Vorwürfe zurück, Kričak reichte eine Privatklage wegen Ehrverletzung gegen sie ein.
Am 30. Dezember 2025 wurde er Leiter der Kriminalpolizeidirektion. Vučić lobte seine Arbeit mehrfach öffentlich, im September erschien Kričak bei der Beerdigung von Ratko Mladić, der wegen des Völkermords von Srebrenica verurteilt wurde. Anzeigen stoppten seine Karriere nicht. Das tat das Wahlergebnis, oder zumindest sieht es so aus.
Warum erst jetzt?
Der Leitende Oberstaatsanwalt in Belgrad, Nenad Stefanović, behauptet, die Festnahmen hätten nichts mit den Wahlen zu tun, weil die Staatsanwaltschaft schon seit Mai tätig sei. Gut. Aber die Kameraaufnahmen gab es schon im Mai, die Anzeige von Milićs Anwälten wurde am 30. Juli eingereicht, und Kričak blieb im Amt, bis die Studenten nach ihrem Sieg seine Absetzung forderten. Zurückgetreten ist er nicht. Wenn die Ermittlungen mehr als fünf Monate dauerten, warum kam die Festnahme sieben Tage nach den Wahlen?
Der Balkan kennt diese Szene auswendig: Institutionen, die jahrelang wegschauen, sehen plötzlich wieder, wenn sich die Stimmen in den Urnen ändern. Vielleicht ist es diesmal anders, und die Probe ist einfach. Die Anzeige von Sinđelić und dem Studenten Dušan Cvetković ist nicht Teil dieser Festnahme, ebenso wenig die Anzeigen wegen mutmaßlicher Misshandlung Minderjähriger während der Proteste.
Milić steht am 9. November wegen Nichtanzeige einer Straftat und Fälschung einer Amtsurkunde vor Gericht. Das ist Teil des Konflikts an der Polizeispitze. Werden die Staatsanwälte auch die Akte der Studenten öffnen, die sagen, sie seien geschlagen worden, oder bleiben sie beim Streit zwischen Polizeichefs stehen?
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