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Er trug es wie einen Stein in der Brust: der heimliche Sohn des belgischen Prinzen über den Vater, den er erst mit zwanzig suchte

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Er trug es wie einen Stein in der Brust: der heimliche Sohn des belgischen Prinzen über den Vater, den er erst mit zwanzig suchte

Der fünfundzwanzigjährige Clement Vandenkerkhove trug Belgiens größtes privates Geheimnis seit seinem sechzehnten Lebensjahr. Damals sagte ihm seine Mutter, die Sängerin und Modelfrau Wendy Van Wanten, wer sein leiblicher Vater ist. Prinz Laurent. Der Bruder des Königs. Ein Mann, dessen Nachname in ganz Europa Türen öffnet - seinem Sohn öffnete er keine einzige.

Vier Jahre schwieg er. „Diese heimliche Last trug ich wie einen Stein in der Brust”, sagt Clement. Den ersten Anruf beim Vater machte er erst mit zwanzig. Danach, sagt er, habe er sich frei gefühlt. Das ist der Satz, den man behalten sollte - nicht der Ruhm, nicht das Erbe, sondern die Erleichterung, wenn etwas endlich laut gesagt werden darf.

Die Geschichte wird meist als royale Pikanterie nacherzählt. Doch darin steckt etwas, das uns viel näher ist als Palastflure. Clement lebt mit Angstzuständen, Panikattacken und Misophonie - einer extremen Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen. In einem Restaurant in Barcelona, wie er beschreibt, war er wie gelähmt und konnte nicht einmal den Löffel zum Mund führen. Seine Freundin fütterte ihn, wie ein Kind.

Diese Freundin heißt Guadalupe Borrero Ferreira und kam nach Belgien auf einem Weg, den kein Palast kennt. Sie floh vor der venezolanischen Krise. Ihr Vater war Lastwagenfahrer, ihre Mutter baute aus dem Nichts ein Transportunternehmen für Baumaterialien auf. In Belgien arbeitete sie in einer Bäckerei. Kennengelernt haben sie sich zufällig über das Internet, ohne dass sie ahnte, wer er ist. „Er war so schön und so belgisch”, sagt sie über den ersten Eindruck.

Und hier ist der Punkt, den der belgische Hof nicht kommentieren wird: Eine Frau, die mit nichts das halbe Weltrund durchquerte, verliebte sich in einen jungen Mann, der trotz königlichen Bluts weder Titel noch Platz in dieser Welt hat. Zwei Menschen außerhalb des Systems. Der eine floh vor Armut, der andere vor Schweigen. Beide kamen am selben Ort an.

Das Interview entstand in einer italienischen Villa in Apulien, beim belgischen Journalisten Thomas Siffer. Das ist das Format, auf das Höfe setzen, wenn etwas heraus muss, aber nicht als Skandal herauskommen darf - ein kontrolliertes Geständnis in schöner Kulisse. Clement beschreibt den Vater als intelligent und feinfühlig. Der Mann, der ihn großzog, Frans, der Ehemann seiner Mutter, bleibt im Hintergrund der Geschichte, obwohl er derjenige war, der die Frühstücke machte.

Die Königshäuser Europas üben seit Jahrzehnten dieselbe Fertigkeit: genau so viel zuzugeben, wie unvermeidlich ist. Bringt das Eingeständnis danach auch eine Verpflichtung mit sich, oder nur eine bessere Titelseite? Clement hat keinen Titel, keinen Platz in der Thronfolge und offenbar auch nicht die Absicht, danach zu fragen. Er hat eine Freundin aus Venezuela und eine Diagnose, mit der man jeden Tag lebt. Das ist die Geschichte. Der Rest ist Protokoll.