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23 Seen dort, wo früher Kohle gefördert wurde: Deutschland machte aus den Löchern der Industrie ein Reiseziel

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23 Seen dort, wo früher Kohle gefördert wurde: Deutschland machte aus den Löchern der Industrie ein Reiseziel

Deutschland hat über 12.000 Seen, und in den letzten Jahren wächst diese Zahl. Nicht weil es mehr geregnet hätte, sondern weil jemand beschloss, die Löcher mit Wasser zu füllen, aus denen zuvor Kohle geholt wurde. Die Lausitz, rund 140 Kilometer südlich von Berlin und 60 Kilometer nördlich von Dresden, nennt man heute den „deutschen Comer See". Die künstliche Version, versteht sich.

Die Geschichte hinter diesem Namen ist interessanter als der Name selbst. Seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurde hier Braunkohle abgebaut. Über zwei Milliarden Tonnen wurden aus der Erde geholt, aus Tiefen bis zu sechzig Metern. Die Region war also eine von jenen, die wir auch vom Balkan kennen: eine Landschaft, die von innen aufgefressen wird, damit die Industrie läuft, mit Dörfern, die von der Grube leben und mit ihr sterben.

Vom Tagebau zu 23 Seen

Seit Mitte der neunziger Jahre begann das regionale Bergbausanierungsunternehmen, die früheren Tagebaue schrittweise zu fluten. Das Ergebnis ist ein Wassersystem aus 23 Seen auf über 13.600 Hektar, mit dem Anspruch, die größte künstliche Seenlandschaft Europas zu werden. Zehn von ihnen sollen durch schiffbare Kanäle verbunden werden. Seit diesem Sommer sind es bereits fünf.

Als erster für den Tourismus geöffnet wurde der Senftenberger See mit 1.300 Hektar und Stränden, die eine Blaue Flagge für Wasserqualität tragen. Es gibt einen 2013 eröffneten Hafen, einen 80 Meter langen Steg und einen Rundweg um die gesamte Wasserfläche, für Rad, Wanderung oder Inliner. Der zweite, der Geierswalder See, ist für seine Winde und das Kitesurfen bekannt; sein meistfotografiertes Motiv ist der 18 Meter hohe rot-weiße Leuchtturm mit den Häusern dahinter, in denen ein Vier-Sterne-Hotel und ein Restaurant untergebracht sind.

Von dort gelangt man über den Barbarakanal zum Partwitzer See, umgeben von Kiefernwäldern und mit einer zweieinhalb Kilometer langen Halbinsel, die den See beinahe teilt. Hier steht auch das erste schwimmende Ferienhaus der ganzen Region. Zuletzt für Schifffahrt und Baden geöffnet wurde der Sedlitzer See, dessen Wahrzeichen ein dreißig Meter hoher Stahlturm in rostrotem Ton ist, der bewusst an die industrielle Vergangenheit erinnert. Von dieser Aussicht sieht man drei Seen gleichzeitig.

Wein am Hang und eine Wahrheit über das Erbe

Am Großräschener See stehen drei kubische Gebäude, durch Terrassen verbunden, die als Aussichtspunkt und als Museumsraum für die Geschichte der Region dienen. Daneben liegt das Familienweingut Wein-Wobar, dessen kleiner Weinberg der einzige in Brandenburg an einem Steilhang ist. Seit 2012 pflanzt man dort pilzwiderstandsfähige Hybridsorten, liest ausschließlich von Hand und keltert sortenreine Weine. Es gibt auch Führungen mit Verkostung.

Das ist keine Strandgeschichte. Das ist eine Geschichte darüber, was man mit dem Land macht, wenn die Industrie geht. Die Deutschen investierten dreißig Jahre und ein großes Budget, um Tagebaue in eine Wasserfläche mit Sehenswürdigkeiten, Hotels und einer Tourismusorganisation zu verwandeln, die Besucher zählt. Der Balkan hat seine eigenen Tagebaue, seine verlassenen Gruben und seine Löcher im Boden, die darauf warten, dass jemand entscheidet, was damit geschieht. Stellt bei uns überhaupt jemand diese Rechnung auf?

Der Sedlitzer See hat übrigens auch eine Sondergenehmigung als Wasserflugzeug-Landeplatz erhalten. Der Anspruch ist klar und wird nicht verhehlt: Man will ein Luxusziel werden, wie der echte Comer See. Dafür braucht es noch viel, aber dass am Grund dieser Seen einst Kohle lag, sieht man vom Wasser aus nicht mehr.