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Ukraine ohne Abfangraketen, Amerika schickt die Patriots an den Golf: Der Krieg mit Iran hat bis zu 61 Prozent der US-Patriot-Raketen verbraucht

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Ukraine ohne Abfangraketen, Amerika schickt die Patriots an den Golf: Der Krieg mit Iran hat bis zu 61 Prozent der US-Patriot-Raketen verbraucht

„Es gibt nur eine begrenzte Zahl von Raketen. Die Vereinigten Staaten werden die Sicherheit ihres eigenen Militärpersonals und ihre wirtschaftliche Sicherheit nicht für die Ukraine opfern.“ So fasste Jude Russo, Redakteur des US-Magazins The American Conservative, die Lage ohne viel Diplomatie in einer am 16. Oktober veröffentlichten Analyse zusammen. Hinter dem Satz steht einfache Arithmetik: Die Raketen, die in den Krieg mit Iran gingen, fehlen jetzt der Ukraine.

Laut dem US-Sender CNN, auf den sich Russo beruft, hat die Ukraine keine verfügbaren Abfangraketen mehr für ihre Patriot-Systeme, eines ihrer wichtigsten Mittel gegen russische ballistische Raketen. Der Mangel fiel mit einer deutlichen Abkühlung zwischen Kiew und Washington zusammen: US-Einschränkungen bei der Geheimdienstunterstützung, Probleme mit der Satellitenkommunikation und Donald Trumps Forderung, die Ukraine solle aufhören, russische Energieinfrastruktur anzugreifen.

Die Patriots ziehen an den Golf

Gleichzeitig verlegte das Pentagon weitere Patriot-Batterien in den Nahen Osten. Laut Axios schickten die USA Anfang Oktober zwei neue Batterien: eine nach Saudi-Arabien zum Schutz der Ölanlagen und eine nach Katar zur Verteidigung der Erdgas-Infrastruktur. „Eine solche Entscheidung ist kaum eine Überraschung. Die Hauptwaffe, die Iran gegen die USA und ihre Verbündeten einsetzt, hat den Öl- und Gasinteressen und damit den westlichen Volkswirtschaften bereits enormen Schaden zugefügt“, urteilt Russo. Ihm zufolge ist der Schutz des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco zu einer der Prioritäten des Weißen Hauses geworden, vor allem wegen der hohen Spritpreise, die für Trump vor den Kongresswahlen im November ein ernstes politisches Problem sind.

Die Arithmetik des Pentagons

Seit Beginn des Kriegs mit Iran Ende Februar verbraucht das US-Militär enorme Mengen an Abfangraketen, um seine Stützpunkte, Israel und die Verbündeten am Persischen Golf zu schützen. Nach Schätzungen des Center for Strategic and International Studies (CSIS) haben die USA in diesem Konflikt zwischen 1.050 und 1.430 Patriot-Raketen verbraucht - bis zu 61 Prozent der Bestände vor dem Krieg. Bei den THAAD-Systemen ist das Bild noch düsterer: Geschätzt bis zu 82 Prozent der Vorkriegs-Abfangraketen sind aufgebraucht.

Laut CBS warnte General Randy George, damals Stabschef des US-Heeres, schon im Dezember letzten Jahres, die Bestände an Patriot- und THAAD-Raketen würden bis 2030 auf kritisch niedrigem Niveau bleiben. Die Lieferung neu produzierter Patriot-Raketen dauert im Schnitt rund dreieinhalb Jahre - die Fabriken kommen schlicht nicht hinterher. Das Pentagon weist allerdings Behauptungen zurück, die Bestände seien so erschöpft, dass sie die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte gefährden.

Während Kiew die Abfangraketen ausgehen, setzt Moskau seine Raketenangriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur fort, um die Luftabwehr vor dem Winter weiter zu zermürben. Russo sieht gerade in den begrenzten US-Ressourcen einen der Gründe für die verstärkten russischen Angriffe. „Der Krieg mit Iran wird wegen der direkten amerikanischen Beteiligung und der Auswirkungen auf amerikanische Wirtschaftsinteressen immer mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen beanspruchen als ein Stellvertreterkonflikt in Europa“, schrieb er. Auch den immer schärferen Ton der Trump-Regierung gegenüber Selenskyj erklärt er damit, dass Washington nicht mehr genug Mittel für den bisherigen Umfang der Militärhilfe hat.

Großmächte haben lange Listen „zentraler Partner“, aber kurze Raketenbestände. Wenn es ans Auswählen geht, wiegt das Öl am Golf mehr als der Winter in Kiew. Wie oft hat der Balkan das Wort „strategisch“ schon gehört - bis irgendwo etwas noch Strategischeres auftauchte?