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Warum manche in WhatsApp-Gruppen ständig schreiben und andere nie: Eine Psychologin sagt, wer am meisten redet, wird sichtbarer, nicht unbedingt klüger

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Warum manche in WhatsApp-Gruppen ständig schreiben und andere nie: Eine Psychologin sagt, wer am meisten redet, wird sichtbarer, nicht unbedingt klüger

Wir alle kennen sie. Die Familiengruppe, in der die Tante jeden Morgen Blumen und „Guten Morgen“ schickt. Die Elterngruppe der Klasse, in der um neun Uhr abends jemand fragt, ob morgen Sport ist. Die Hausgruppe, in der der Streit um die Parkplätze länger dauert als das Parken selbst. Und in jeder davon gibt es jemanden, der ständig schreibt - und jemanden, der seit Monaten nur mitliest.

Warum ist das so? Die Psychologin Violeta Acedo Herrera sagt, die Antwort liege nicht in einem einzigen Charakterzug. Selbstvertrauen, Temperament, frühere Erfahrungen und der soziale Kontext spielen alle mit. Derselbe Mensch kann in der Gruppe mit Kindheitsfreunden der Lauteste sein und in der Arbeitsgruppe oder unter neuen Leuten völlig verstummen.

Acedo teilt die Teilnehmer in drei Typen ein. Protagonisten ergreifen schnell das Wort, schlagen Pläne vor, organisieren und fühlen sich im Mittelpunkt wohl. Beobachter hören lieber zu, schauen, wohin das Gespräch geht, und steigen ein, wenn sie ihren Moment finden. Die Diskreten genießen einfach den Hintergrund und haben kein Bedürfnis, das Gespräch zu führen.

Der interessanteste Teil handelt von Macht. Laut der Psychologin lässt sich Einfluss in einer Gruppe auf zwei Arten gewinnen: durch Durchsetzung oder durch Wissen und Fähigkeiten, die Respekt wecken. Beides kann jemanden hervorheben, weckt aber nicht dieselbe Sympathie. Hier kommt der Satz, den man sich merken sollte: „Manchmal wird einfach derjenige sichtbarer, der redet und die Initiative ergreift.“ Sichtbarer - nicht klüger. Wer mehr schreibt, wirkt leichter wie ein Anführer, auch wenn seine Ideen nicht besser sind als die der anderen.

Umgekehrt gilt das auch. Zurückhaltung ist nicht immer Unsicherheit, und Führen ist nicht immer Geltungsdrang. Manchmal schweigt jemand einfach, weil die Gruppe ihm keinen Raum lässt oder weil seine Vorschläge bisher auf Schweigen gestoßen sind. Wie oft haben Sie in einer Gruppe etwas geschrieben und nur zwei blaue Haken bekommen, ohne eine einzige Antwort?

Die Ratschläge sind praktisch. Denen, die im Hintergrund bleiben, empfiehlt Acedo eine kleine Herausforderung: eine Meinung sagen, eine Frage stellen oder einen Plan vorschlagen. Denen, die das Gespräch an sich reißen: eine Frage stellen, bevor man die eigene Meinung sagt, zuhören, ohne gleich die Antwort vorzubereiten, und wenigstens einmal jemand anderen etwas organisieren lassen.

Es geht nicht darum, ein anderer Mensch zu werden, sondern eine andere Rolle auszuprobieren, ohne den eigenen Stil zu verlieren. Die Psychologin schlägt eine Frage zur Selbstprüfung vor, die man sich stellen sollte, wenn man das nächste Mal einen Chat mit dreißig ungelesenen Nachrichten öffnet: „Beteilige ich mich so, weil es mir gefällt, oder weil das die einzige Rolle ist, die ich spielen kann?“