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37 Tote bei Kyjiw: eine russische Drohne traf ein Munitionsdepot, das nach ukrainischem Gesetz dort nicht stehen darf

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37 Tote bei Kyjiw: eine russische Drohne traf ein Munitionsdepot, das nach ukrainischem Gesetz dort nicht stehen darf

Siebenunddreißig Tote. Zweiundvierzig Verletzte, darunter vier Kinder. Rund fünfzig beschädigte Gebäude und ein Heim für alte Menschen und Menschen mit Behinderung. 381 Personen evakuiert. Das ist die Bilanz eines Dorfes bei Kyjiw nach einem russischen Drohnenangriff - und nach den Sekundärdetonationen, die stundenlang folgten.

Das Dorf heißt Myla, im Bezirk Butscha, etwa fünfzehn Minuten westlich von Kyjiw. Die russische Drohne traf ein militärisches Munitionsdepot. Das Problem: Dieses Depot stand wenige Meter von Wohnhäusern und dem Pflegeheim entfernt.

Wenn die eigene Regierung das Versäumnis einräumt

Die Verantwortung für den Angriff liegt bei Russland, das bestreitet in Kyjiw niemand. Was die ukrainische Öffentlichkeit aufwühlt, ist die zweite Frage: Wer hat erlaubt, dass Tonnen von Sprengstoff mitten in einem bewohnten Ort lagern?

Die Antwort kam von ganz oben. Präsident Wolodymyr Selenskyj wandte sich in einer Sonderansprache an die eigenen Verteidigungsstrukturen. „Das ist eine furchtbare Situation und furchtbare Nachlässigkeit derer, die Sprengstoff direkt neben Menschen gelagert haben. Der erste Einschlag traf ein Depot der Streitkräfte, das dort definitiv nicht hätte sein dürfen. Granaten, Minen, andere Munition und Drohnen detonierten. Das Ausmaß ist enorm“, sagte er und bestätigte, dass Polizei und der Sicherheitsdienst SBU Ermittlungen wegen schwerer Amtspflichtverletzung eingeleitet haben.

Ministerpräsident Serhij Korezkyj wurde noch deutlicher. „Leider lässt sich schon jetzt feststellen, dass die schreckliche Tragödie in Wyschnewe keine Lehre war. Im fünften Jahr der totalen Invasion dieselben Fehler zu machen ist kriminelle Nachlässigkeit. Alle Schuldigen, ausnahmslos, müssen hart bestraft werden“, schrieb er auf Telegram.

Dieselbe Geschichte, vor zwei Monaten

Wyschnewe wird nicht zufällig erwähnt. Anfang Juli traf in einem ebenfalls nahegelegenen Ort im Gebiet Kyjiw eine russische Rakete ein Munitionsdepot im Besitz einer Firma des staatlichen Rüstungskonzerns Ukroboronprom. In der Explosionsserie starben damals acht Menschen, 29 wurden verletzt.

Nach dieser Tragödie versprachen die Behörden dringende Prüfungen und harte Strafen. Der Konzern teilte mit, er habe zwei leitende Manager und mehrere Funktionäre entlassen, die den Standort rechtswidrig genehmigt hatten. Selenskyj erklärte persönlich, die Verantwortlichen würden strafrechtlich belangt. Das war vor weniger als zwei Monaten.

Das ukrainische Gesetz verbietet ausdrücklich die Lagerung von Militärmunition und Industriesprengstoff in Städten und in der Nähe von Wohngebieten. Es gab also keine Gesetzeslücke. Es gab keine Unklarheit. Es gab jemanden in der militärischen Befehlskette, der entschied, dass ein Dorf an der Autobahn Kyjiw-Tschop ein guter Ort für Hochrisikomunition ist.

Die Entlassung als Ersatz für Reform

Unter den Toten ist auch Taras Didytsch, Leiter der örtlichen Gemeinde Dmytriwka, der sich als einer der Ersten aufmachte, Nachbarn zu retten, bevor die Sekundärdetonationen die umliegenden Gebäude einebneten. Das ist es, was bleibt, wenn das System nachgibt - Menschen, die auf die Explosion zulaufen, weil die Institution sich nicht davorgestellt hat.

Die Entlassung zweier Manager im Juli hat die Praxis nicht gestoppt. Das ist die Lehre, die mehr wert ist als jede Rede: Eine Personalmaßnahme ist keine Reform, und eine Mitteilung ist keine Kontrolle. Wenn ein Staat eine Prüfung verspricht und acht Wochen später dasselbe Szenario mit viermal so vielen Opfern wiederholt, liegt das Problem nicht bei den Abgesetzten, sondern im System, das sie nicht kontrolliert.

Für Sonntag wurde in der Ukraine Staatstrauer ausgerufen, Rettungskräfte durchsuchen weiter die Trümmer. Die Öffentlichkeit fordert Festnahmen, keine Mitteilungen. Die Frage ist, ob das fünfte Kriegsjahr mehr bringt als ein drittes Versprechen harter Strafen.