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Feuerball über Beit Shemesh schreckte die Israelis - es stellte sich heraus, ein Test von Raketentreibstoff für Geschosse mit Reichweite von Tausenden Kilometern

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Am Samstagabend leuchtete der Himmel über der israelischen Stadt Beit Shemesh, nur 30 Kilometer von Jerusalem entfernt, mit einem Feuerball auf, der kilometerweit sichtbar war. Die Bewohner dachten, der Krieg mit dem Iran beginne wieder. Iranische Raketenangriffe haben in den vergangenen Monaten genau diese Stadt mehrfach getroffen. Die Panik war unmittelbar, real und - wie sich herausstellte - falsch.

Der Rüstungskonzern Tomer, der in der Raketentreibstoff-Industrie tätig ist, bestätigte später, dass die Explosion ein geplantes Experiment gewesen sei. „Ein vorab geplanter Test, der planmäßig durchgeführt wurde", hieß es in der Mitteilung. Das ist fast ironisch - in einem Land unter ständigem Angriff wird ein Experiment mit Raketentreibstoff von der Bevölkerung nicht anders registriert als als Krieg.

Eine anonyme Quelle aus dem Unternehmen bestätigte dem israelischen öffentlichen Sender Kan, dass die Explosion kontrolliert und geplant war. Kanal 12 berichtete - auf Basis inoffizieller Informationen -, dass der Test Raketentreibstoff für Projektile mit einer Reichweite von Tausenden Kilometern einschloss. Das heißt: Tomer arbeitet an Waffen mit interkontinentaler Reichweite - nichts, was die Bevölkerung als Hinterhof-Experiment auffassen sollte.

Der Test wurde fünf Kilometer von einem Wohngebiet entfernt durchgeführt. Eine Distanz, die die Sicherheitsstandards technisch erfüllt, aber jeden Versuch des Unternehmens, anonym zu bleiben, emotional zerstört. Wenn 30.000 Menschen einen Feuerball am Himmel sehen und nicht wissen, was passiert, lässt sich Panik nicht damit neutralisieren, dass die Polizei informiert war.

Wie reagierten sie? Tomer hielt eine Sitzung ab und entschied, dass künftige Tests öffentliche Warnungen enthalten würden. Übersetzung: „Wir geben den Fehler zu, wir werden ihn beheben." Das israelische Verteidigungsministerium sagte, es werde „die Frage rechtzeitiger öffentlicher Warnung" mit dem Unternehmen prüfen. Das ist diplomatische Sprache für „das darf nicht wieder passieren".

Für die Leser auf dem Balkan ist diese Geschichte in zweifacher Hinsicht lehrreich. Erstens - wir leben in einer Welt, in der der Unterschied zwischen „Angriff" und „Experiment" durch eine 24-Stunden-Mitteilung entschieden wird. Das ist der Preis dauerhafter Anspannung, und dieser Preis ist nicht wirtschaftlich - er ist psychologisch. Zweitens - wenn das Militär in zivilen Räumen ohne Transparenz arbeitet, wird jeder Fehler zur Munition für Desinformation. Es ist kein Zufall, dass die sozialen Medien in jenem Moment behaupteten, die Fabrik sei angegriffen oder es habe einen großen Unfall gegeben. Unter solchen Bedingungen funktioniert kein Staat lange.