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Etwas Altes, Neues, Geliehenes, Blaues: ein viktorianischer Hochzeitsreim aus dem 19. Jahrhundert - und warum er seit 200 Jahren funktioniert

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„Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes, etwas Blaues." Fast jede Braut in Europa folgt dieser Regel, aber die wenigsten wissen, woher sie kommt. Die Antwort - das viktorianische England, das 19. Jahrhundert. Und ursprünglich waren es nicht vier Dinge. Es waren fünf.

Ethnologische Institute wie die Folklore Society verbinden Hochzeitstraditionen mit „Vorstellungen von Glück, Fruchtbarkeit, Schutz des Brautpaars". Diese spezielle Tradition stammt aus einem englischen Volksvers des 19. Jahrhunderts. Der Originaltext lautet - „something old, something new, something borrowed, something blue, and a silver sixpence in her shoe". Ein silberner Sixpence im Schuh der Braut. Dieses Geldstück hat es nicht bis heute geschafft - die übrigen vier schon.

Etwas Altes - Symbol der Verbindung zur Familie und zum vorherigen Leben. Wurzeln, Kontinuität. Traditionell - geerbter Schmuck, Spitze von Mutter oder Großmutter, ein Stück vom Hochzeitskleid einer älteren Verwandten. Balkanbräute verstehen das - das Kreuz der Großmutter an einer Kette ist ein Beispiel, das sich auf jeder mazedonischen Hochzeit wiederholt.

Etwas Neues - die Zukunft, das neue Leben. Historisch war das das Hochzeitskleid selbst. Heute kann es alles sein, was speziell für den Tag gekauft wurde - Schuhe, Ohrringe, eine Tasche. Ein Stück, das vor der Hochzeit nicht getragen wurde.

Etwas Geliehenes - die Regel ist, dass es von jemandem kommen muss, der in einer glücklichen Ehe ist. „Das Glück hinübertragen" ist die Symbolik. Ohrringe, ein Armband, ein Schleier. Es wird nach der Zeremonie zurückgegeben.

Etwas Blaues - Treue, Loyalität, dauerhafte Liebe. Mittelalterliche Verbindungen der Farbe Blau mit Reinheit verstärken diese Symbolik. Heute kann das ein Strumpfband sein, ein bestickter Streifen am Saum des Brautkleids oder ein Saphir im Ring.

Warum sollte der Balkan das achten? Nicht, um das englische Ritual zu kopieren. Sondern weil alle vier Elemente eigentlich das widerspiegeln, was eine Balkan-Hochzeit immer gemacht hat - Respekt vor der Familiengeschichte, Offenheit für das Neue, Verbindung zu Menschen, die denselben Weg gegangen sind, und Erinnerung daran, dass Liebe auf Treue baut. Nur dass es bei uns Teil der Bräuche ist, ohne Liste. Die Engländer haben daraus eine Liste gemacht, und so wurde es um die Welt getragen.