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Die Kolumne als „Waffe", nicht als Genre

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Der Medienraum ist heute mit Kolumnen überschwemmt. Täglich schreiben dutzende „Analysten", „Experten", „Kenner" und „unabhängige Intellektuelle" Texte, die angeblich die Realität erklären. Aber immer öfter stellt die Öffentlichkeit sich selbst eine gefährliche Frage - sind ein Teil dieser Kolumnen echte Analysen oder gut verpackte politische und wirtschaftliche Aufträge?

In einem Staat, in dem das Vertrauen in die Institutionen niedrig ist und der Medienmarkt wirtschaftlich abhängig ist, wurde die Kolumne zur billigsten und mächtigsten Waffe zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Kein Fernsehen nötig, keine Debatte nötig, keine Recherche nötig. Ein „kräftiger" Text reicht, ein paar Portale, Teilen in sozialen Netzwerken, und schon entsteht die Atmosphäre, dass „die Öffentlichkeit so denkt".

Immer öfter sehen wir identische Standpunkte auf mehreren Portalen am selben Tag. Dieselben Botschaften, dieselben Konstruktionen, dieselben „zufälligen" Narrative. Wenn sich das zehnmal wiederholt, ist es keine Meinung mehr - sondern eine organisierte Kampagne.

Am beunruhigendsten ist, dass die Kolumne, einst ein Raum für intellektuelle Debatte, sich heute oft verwandelt in:

  • starke politische Färbung,
  • emotionalen und konfrontativen Stil,
  • Personalisierung der Themen,
  • geringe Distanz zwischen Autor und politischen/wirtschaftlichen Zentren,
  • enorme Überproduktion.

Die Kolumne sollte nie ein Parteimegafon sein, eine persönliche Abrechnung oder ein bezahlter Text, in „Analyse" verpackt. Die echte Kolumne ist weit mehr als eine Meinung. Sie ist eine Position, hinter der der Autor mit Namen, Wissen, Argumenten und persönlicher Integrität steht.

Ein Kolumnist ist kein Mensch, der schreibt, was das Publikum hören will. Ein Kolumnist ist ein Mensch, der den Mut hat, auch das zu schreiben, was niemand hören will.

In einer Zeit, in der die Medien von Klicks, Sensationen und täglichen politischen Kriegen überschwemmt sind, sollte die Kolumne der letzte Ort sein, an dem die Vernunft bleibt. Ein Raum, in dem Fakten wichtiger sind als Beleidigungen und Argumente stärker als Emotionen.

Eine echte Kolumne wird nicht geschrieben, um einem Machtzentrum zu gefallen.
Sie wird nicht für eine Ausschreibung geschrieben.
Sie wird nicht für einen Zuschuss geschrieben.
Sie wird nicht für eine Partei geschrieben.
Und sie wird nicht geschrieben, um Applaus von „den Eigenen" zu bekommen.