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Krankenwagen ohne Fahrer, ein Warenkorb über dem Mindestlohn, „Lajka“ und die Wahl in Serbien: die Woche, in der alles Gekaufte darauf wartete, dass es jemand in Betrieb nimmt

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Krankenwagen ohne Fahrer, ein Warenkorb über dem Mindestlohn, „Lajka“ und die Wahl in Serbien: die Woche, in der alles Gekaufte darauf wartete, dass es jemand in Betrieb nimmt

Fahrzeuge, aber niemand am Steuer

Hundert weiße Fahrzeuge auf einem Parkplatz aufgereiht, Premier und Minister vor den Kameras. Der Rettungsdienst bekam 100 neue Krankenwagen, der Fuhrpark soll von rund 140 auf rund 200 wachsen. Dann sagte Gesundheitsminister Sašo Klekovski auf eine Journalistenfrage den Satz, der mehr wert war als die ganze Inszenierung: Der größte Engpass sind die Fahrer. Eine Personalanalyse hat ergeben, dass nicht die Ausrüstung fehlt, sondern die Menschen am Steuer. Das Geld für sie wird mit dem Finanzministerium erst noch verhandelt.

Skopje sah dieselbe Szene von der Haltestelle aus. Am Dienstagmorgen kam in Volkovo über 40 Minuten lang kein einziger Bus, auf Linie 23 wartete man über eine Stunde, und am Bahnhof fuhren die Busse so voll vorbei, dass niemand mehr einsteigen konnte. Eine offizielle Erklärung gibt es nicht, und die Stadt sagt nicht, wie viel der Verkehrsbetrieb JSP den privaten Busunternehmen schuldet. Es ist nicht das erste Mal: Im Juni vergangenen Jahres fuhren die Privaten zwei Tage lang nicht, wegen Schulden von über 150 Millionen Denar.

Den Hintergrund liefern die Zahlen des JSP selbst. Von 51,6 Millionen Fahrgästen im Jahr 2015 sank die Zahl auf rund 22 Millionen im Jahr 2025. Auf dem Papier gibt es 341 Busse, fahrtüchtig sind rund 185, auf die Straße kommen 157. Die Stadt diskutiert derweil über ein Schnellbussystem, eine leichte U-Bahn und eine S-Bahn. Wer wartet die neuen Fahrzeuge, wenn fast die Hälfte der alten nicht fährt?

Der Lohn, gemessen in Litern

Der Mindestlohn liegt bei 26.046 Denar. Lebensmittel und Getränke für eine vierköpfige Familie kosten im Oktober 26.170 Denar, so die Berechnung des Gewerkschaftsbunds. Wer Mindestlohn verdient, kann mit dem ganzen Monatslohn nicht einmal den Esstisch bezahlen, von Strom, Fahrkarten und Medikamenten ganz zu schweigen. Von den 926 Denar, um die der Warenkorb in einem Monat teurer wurde, entfallen 911 auf Lebensmittel. Die Regierung sagt, die Inflation sei unter Kontrolle. Das Wirtschaftsministerium hat einen eigenen Warenkorb, der für August 10.200 Denar niedriger ausfiel als der der Gewerkschaft.

An der Tankstelle kostet seit dem 20. Oktober ein Liter Diesel 99 Denar, mehr als beide Benzinsorten. Der Premier sagt, man habe die niedrigsten Preise in Europa, und die Regierung stehe kurz vor einer Einigung mit der Raffinerie OKTA über weitere zwei Denar Rabatt. Doch „die niedrigsten in Europa“ ist ein Vergleich in Euro. Der Durchschnittslohn stieg in einem Jahr um 7,1 Prozent, Benzin um 31,5, Diesel um fast 48. Gemessen in Diesel ist die Kaufkraft um rund 27,5 Prozent gesunken.

Die Studierenden wiederum bekamen ein teureres Bett. Das renovierte Wohnheim „Stiv Naumov“ kostet 6.600 Denar im Monat, gegenüber 3.410 in Wohnheimen der zweiten Kategorie, und keinen Monat nach dem Einzug läuft Wasser die Wände hinunter. Der Aufpreis von fast 94 Prozent wurde ausgerechnet mit den besseren Bedingungen begründet. Wer hat unterschrieben, dass das Gebäude bezugsfertig ist?

Das Tierheim, das selbst ein Schwarzbau ist

Eine Mutter mit ihrer siebenjährigen Tochter musste bei Cementara in Skopje vor drei Straßenhunden zwischen fahrende Autos flüchten. Die Polizei erklärte sich für nicht zuständig und schickte sie zum städtischen Tierheim „Lajka“. Dort sagt Direktor Vojislav Dimitrovski, das Heim mit Platz für rund 180 Hunde sei voll. Wenige Tage später erklärte Bürgermeister Orce Gjorgjievski, warum es nicht erweitert werden kann: Das Gebäude ist ein Schwarzbau und passt nicht in die Bebauungspläne. Das Geld, sagt er, sei gesichert. Der Standort nicht, und die Frist ist das Jahresende.

Ähnlich sieht es bei den anderen Maßnahmen der Stadt aus. Über 200 Kameras gegen illegale Müllkippen und Vandalismus warten auf die endgültige Genehmigung der Datenschutzbehörde, während die Bänke am restaurierten Brunnen „Lotos“ schon dreimal mit Graffiti beschmiert und neu gestrichen wurden. Die neue Plattform „EkoSkopje“ nimmt Meldungen mit Fotos in Echtzeit an, doch die Container leert weiterhin das städtische Unternehmen „Komunalna higiena“. Wie viele Bußgelder für illegale Müllkippen hat die Stadt bisher verhängt - und wie schnell kommt der erste Lastwagen nach einer Meldung aus der App?

Die Zahlen vor der Abstimmung

Sechs Tage vor der Wahl in Serbien hatte Aleksandar Vučić seine Zahlen schon: eine Wahlbeteiligung von rund 4.100.000, 2.050.000 Stimmen für seine Liste und mindestens 400.000 Vorsprung vor der Studentenliste. Die letzte Ipsos-Umfrage gibt ihm 47,4 gegen 40 Prozent, doch im Kleingedruckten steht, dass ausgerechnet seine Liste sie in Auftrag gegeben hat. Die Umfrage der Zeitschrift NSPM sieht die Studierenden vorn. Ana Brnabić wiederum wusste schon vor deren Landung, dass die sieben EU-Abgeordneten als Beobachter voreingenommen sind.

Bevor die Staatsanwaltschaft überhaupt eine Mitteilung zu den Festnahmen herausgab, zeigten regierungsnahe Boulevardblätter bereits auf Kroatien. Ein Zuschuss für Wahlbeobachtung, vergeben an eine Organisation, die Wahlen beobachtet, wurde zum Beweis für einen Umsturzversuch. Die Studierenden füllten den Slavija-Platz, und die regimetreuen Medien übertrugen die Kundgebung nicht. Derweil kündigten zehn Journalisten und Moderatoren bei N1, zwei Monate nachdem die Mediengruppe einen neuen Eigentümer bekam.

Zu Hause in Mazedonien wurden die Zahlen ähnlich gelesen. Hristijan Mickoski feierte das Ergebnis in Brvenica als „mehr als vier zu eins“ gegen die SDSM. Das stimmt. Doch sein Kandidat bekam 445 Stimmen weniger als vor einem Jahr, und das bei höherer Wahlbeteiligung. Die DUI verdoppelte ihre Stimmen fast, VLEN verlor fast ein Viertel, und die SDSM rechnet sich 46 Prozent Wachstum von niedrigem Niveau aus. Jede Partei hat sich die Zahl ausgesucht, die ihr passt. Wenn eine Niederlage „lokal“ ist, warum ist ein Sieg immer „national“?

Europa auf der Straße, die Regierungen mit Ausgangssperre

In Frankreich gingen mehr als eine halbe Million Menschen auf die Straße, in 110 Städten, laut der Gewerkschaft CGT sogar 800.000. Rund 1.500 Geschäfte wurden verwüstet oder geplündert, in Limoges brannte das über 140 Jahre alte Rathaus fast nieder. Angefangen hat alles mit Schülern, die Lehrer und anständige Schulen forderten. Daraus wurde Wut über Lebenshaltungskosten und Spritpreise. Macron antwortete mit der Drohung, der Staat werde Proteste notfalls ganz verbieten.

Paris bekam danach eine Ausgangssperre von 23 bis 6 Uhr, Lyon ab 21 Uhr, Marseille für Minderjährige. Giorgia Meloni schickt weitere 500 Soldaten nach Mailand und schafft einen neuen Straftatbestand der gewaltsamen Teilnahme an Protesten, mit bis zu fünf Jahren Haft. Die Welle gegen die Teuerung begann in Madrid und Paris und hat Lissabon und Tirana erreicht. Von der anderen Seite des Atlantiks fand JD Vance sofort den Schuldigen: die Migration, ohne einen einzigen Beleg dafür, wer gezündelt hat. Wenn Regierungen auf Wut über Preise nur mit Verboten antworten, wer hört dann noch auf die Gründe?

Diese Woche begann fast jede Geschichte mit etwas Gekauftem, Angekündigtem oder vorab Gezähltem: Fahrzeuge, Kameras, Geld für ein Tierheim, Stimmen. Was fehlte, war der Schritt nach dem Foto - der Fahrer, die Genehmigung, der Standort, der Wähler. Die nächste Woche bringt zwei Fristen, die sich leicht überprüfen lassen: die Stichwahl in Brvenica am 1. November und die versprochenen zwei Denar Rabatt auf Diesel. Dann zeigt sich, ob hinter den Ankündigungen mehr steckt als ein Bild für die Kameras.