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Ein Strickteil für dreißig Euro, das dich den ganzen Tag quält: das Wort Wolle auf dem Etikett sagt fast nichts

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Ein Strickteil für dreißig Euro, das dich den ganzen Tag quält: das Wort Wolle auf dem Etikett sagt fast nichts

Wolle im August klingt wie ein Witz. Und natürlich ist sie das - wenn es um einen dicken Pullover bei vierzig Grad geht. Doch die Regel „Wolle ist für den Winter” gehört zu denen, die wir fertig übernehmen, niemand überprüft sie, und am Ende kostet sie uns Geld, jedes Mal wenn wir ein Sommerstrickteil kaufen, das uns den ganzen Tag quält.

Der Schlüssel liegt nicht in der Faser, sondern in der Faserart und in der Strickweise. Merinowolle ist sehr luftig, leicht und regelt die Körpertemperatur gut. Sie wärmt nicht wie klassische dicke Wolle und nimmt Feuchtigkeit gut auf. Das Wort „Wolle” auf dem Etikett sagt also fast nichts, solange man nicht liest, welche Art es ist und wie gestrickt wurde.

Marta Mangano, die in Barcelona ihr eigenes Label hat, erklärt es konkreter: Es gibt viele leichte Wollen - Merino oder Mischungen mit Seide -, die perfekt für den Sommer sind. Wolle hat thermoregulierende Eigenschaften, das heißt: bei richtiger Konstruktion hält sie in warmem Klima kühl. Sie ändert ihr Stricken nach Jahreszeiten: Der Winter braucht dichtere Strukturen und dickere Fäden, der Sommer offenere Maschen und dünnere Fäden, die Luft durchlassen.

Hier kommt der Teil, den die Industrie nicht bewirbt. Viele von uns haben eine Strickweste, Shorts oder ein Kleid gekauft, angeblich für den Sommer gedacht, das sich am Ende als Fehler erwies. Der Grund ist einfach: Wir erwarten das Ergebnis eines Luxusteils für dreißig Euro, und das ist kein Preis, zu dem sich so ein Gewebe herstellen lässt. Merinowolle und Mischungen, die Eigenschaften edler Fasern nachahmen, kommen in diesen Preisklassen kaum vor.

Synthetik verdient dagegen keine vollständige Dämonisierung. Polyamid ist luftig, nimmt Feuchtigkeit gut auf und trocknet schnell - in warmem Klima ein Vorteil. Doch gewöhnlicher Polyester und Acryl speichern Wärme und Feuchtigkeit und werden schnell unangenehm. Der Unterschied zwischen beiden ist eine Zeile auf dem Etikett, die niemand liest.

Viskose ist eine weitere Option - eine Kunstfaser aus Holzzellulose, die wie Seide aussieht, sich gut färben lässt, Feuchtigkeit aufnimmt und Frische gibt. Mischungen sind nicht automatisch schlecht. Die Frage ist, ob die Mischung gemacht wurde, um den Preis zu senken, oder um zu nutzen, was jede Faser am besten kann.

Die Liste, die man sich merken sollte, ist kurz: Merino, Woll-Seide-Mischung, Baumwolle, Strick mit Polyamid, Strick mit Viskose. Der Rest hängt von der Masche ab. Und davon, ob man bereit ist, das Teil umzudrehen und zu lesen, was draufsteht - eine Zehn-Sekunden-Sache, die entscheidet, ob man das Kleid drei Sommer oder drei Mal trägt.