Skip to content

Sechs Jahre Fake-Profile, ein Tag Polizeireaktion: Was dieser Unterschied verrät

1 Min. Lesezeit
Teilen
Sechs Jahre Fake-Profile, ein Tag Polizeireaktion: Was dieser Unterschied verrät

Von 2020 bis zum 30. Juli 2026. Sechs Jahre lang lebte eine Familie in Skopje mit einem Unbekannten in ihren Nachrichten, Kommentaren und Benachrichtigungen. So lange dauerte es, bis der Fall endlich als Anzeige bei der Polizei landete.

Ein 27-Jähriger aus Skopje zeigte bei der Polizei an, er und seine Frau seien jahrelang über gefälschte Profile in sozialen Netzwerken belästigt worden. Nach seinen Angaben stand V.A. (37) aus Skopje dahinter, der frühere Partner seiner Frau. Die Anzeige erfolgte am 30. Juli um 18:30 Uhr. Bereits am nächsten Tag, dem 31. Juli, führten Beamte ein Gespräch mit dem Angezeigten.

Also: Die Polizei reagiert in einem Tag. Das Problem dauerte sechs Jahre. Der Abstand zwischen diesen beiden Zahlen ist die ganze Geschichte.

Ein Fake-Profil kostet nichts, und Löschen bedeutet nichts. Ein neues ist in zwei Minuten da, anderer Name, gleiche Absicht. Deshalb zieht sich diese Art von Belästigung über Jahre - nicht weil der Täter genial wäre, sondern weil das System keine schnelle Antwort hat und das Opfer lange nicht weiß, ob es überhaupt etwas zu melden gibt.

In derselben Woche zeigte in Veles ein 37-Jähriger an, seine Ex-Frau habe ihn ständig verfolgt, unerwünschten Kontakt gesucht und ihn mit ihren Handlungen belästigt. Ein Staatsanwalt wurde informiert. Zwei Anzeigen, zwei spiegelverkehrte Konstellationen - und in beiden kam die Besessenheit aus einer früheren Beziehung.

Das Innenministerium erklärt, nach vollständiger Dokumentation des Falls werde die entsprechende Eingabe erfolgen. Die Formulierung ist Standard. Nicht Standard ist die Frage: Wie viele Menschen erleben gerade genau dasselbe und haben es nicht angezeigt, weil sie denken, „das ist nichts" oder die Polizei könne gegen ein namenloses Profil ohnehin nichts tun?