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Ein Satz von 1956, der Beziehungen noch immer in gesunde und sture teilt

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Ein Satz von 1956, der Beziehungen noch immer in gesunde und sture teilt

„Liebe ist ein Akt des Glaubens." Der Satz stammt von Erich Fromm, dem deutschen Psychoanalytiker und Philosophen, geschrieben 1956 in „Die Kunst des Liebens". Siebzig Jahre später wird er noch immer zitiert - meist falsch, als Ausrede fürs Aushalten.

Die klinische Psychologin Andrea Vicente, spezialisiert auf Beziehungen, sagt, Fromm habe nicht blinden Glauben gemeint. Er meinte die Fähigkeit, in eine Beziehung zu investieren, ohne absolute Garantien für die Zukunft. Der Unterschied ist gewaltig - und genau er wird meist übersprungen.

Wo die Grenze verläuft

Blinder Glaube ist, stur dort zu bleiben, wo nichts mehr ist. Ein Akt des Glaubens ist, zu wissen, dass es keine Garantie gibt, und sich trotzdem fürs Investieren zu entscheiden. Das Erste ist die Weigerung, die Realität anzusehen. Das Zweite ist eine Entscheidung mit offenen Augen.

Vicente formuliert es so: Lieben heißt, ein gewisses Maß an Unsicherheit zu akzeptieren. Garantieren lässt sich nur die Hingabe - nicht das Ergebnis. Niemand unterschreibt, in dreißig Jahren noch zusammen zu sein. Unterschreiben lässt sich nur, dass man sich morgen wieder bemüht.

Was Psychologen als Fundamente zählen

Der Facherklärung im Text zufolge ruht eine gesunde Beziehung auf mehreren Dingen: den Partner mit dem Kopf zu wählen, zu verstehen, dass Liebe fortlaufende Absicht verlangt, die eigenen Bedürfnisse aussprechen zu lernen, zu akzeptieren, dass Konflikt normal ist - entscheidend ist, wie er gelöst wird - und das Investieren auch in Phasen zu bewahren, in denen das Leben von Pflichten überquillt. Dazu eine, die schwerer ist als alle: die Balance zwischen dem, wer du bist, und dem, was ihr zwei seid.

Nichts davon ist romantisch. Deshalb verkauft es sich auch schlecht. Es ist leichter zu glauben, echte Liebe erfordere keine Mühe, als zuzugeben, dass sie es tut - jeden Tag, ohne jeden Beweis, dass es sich lohnt.

Fromm schrieb das 1956, als niemand stundenlang Nachrichten tippte. Heute klingt derselbe Satz fast provokant: In einer Zeit, in der sich alles vorab prüfen, bewerten und vergleichen lässt, bleibt die Liebe eines der wenigen Dinge ohne Sternebewertung.