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„Großer Putztag" im Rekordformat: Wir kommen mit Handschuhen. Aber wann krempeln die Institutionen die Ärmel hoch?

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Vom 8. bis 10. Mai findet in ganz Mazedonien zum sechsten Mal das „Generalka Vikend" statt - eine Putzaktion mit Rekordbeteiligung. Zehntausende Freiwillige, 600 Organisationen, 80 Gemeinden. Über 500 Standorte. Behörden, Unternehmen, Armee, Rotes Kreuz. Ganz Mazedonien auf den Beinen - mit dem Besen in der Hand.

Die Hauptöffnung ist am 8. Mai um 9 Uhr an der Vardar-Promenade. Skopje beginnt mit der Reinigung eines Flussabschnitts, von der Mündung des Lepenec bis zur „Kiro Gligorov"-Brücke. Acht Teams sind auf beiden Ufern verteilt.

Im Šar-Gebirge wird der Nationalpark von wilden Mülldeponien befreit - mit 20 Armeeangehörigen, Forstrangern und der österreichischen Abfallfirma „Saubermacher". Am Ufer des Ohrid-Sees leiten Professoren, Studenten und die Soroptimist-Klubs die Aktion. In Schulen läuft eine „Öko-Stunde" in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium und UNICEF.

Alles ist auf Rekord ausgelegt. Und das ist der Stolz des „Generalka Vikend" - eine Bürgeraktion, die sich jährlich verdoppelt: an Teilnehmern, Standorten, Partnern.

Doch die Frage ist eine andere. Warum braucht ein Land mit bezahlten kommunalen Diensten überhaupt einen „Großen Putztag"? Warum hat hier jede Gemeinde ein Budget fürs Reinigen, und das Šar-Gebirge wartet trotzdem auf österreichische Kosten und 20 Soldaten, um sauber zu werden? Warum füllen sich die Flüsse mit Plastik und Styropor - bei all den Umweltabgaben, die die Bürger zahlen?

Der Putztag ist nicht falsch. Im Gegenteil - er ist der schönste Teil der mazedonischen Bürgerenergie. Zehntausende Menschen, ohne Kampagne, ohne Partei, ohne Interesse - kommen mit Handschuhen, um aufzuräumen, was andere instandhalten sollten.

Aber die Frage muss trotzdem gestellt werden. „Wir putzen für eine grüne Zukunft", sagen die Organisatoren. „Aus der Vergangenheit". In Ordnung. Doch was ist mit der Gegenwart? Wer haftet für die aktuellen illegalen Mülldeponien? Wer gewinnt in Skopje die Ausschreibungen für die kommunalen Dienste, und warum ist der Vardar jeden Frühling wieder gelb-braun?

Am 8. Mai geht raus. Bringt Handschuhe mit. Nehmt die Kinder mit. Das ist es, was Mazedonien ausmacht - eine Familie, die nicht von Institutionen abhängt. Doch am Montag danach muss die Frage erneut gestellt werden - an jene, die Geld dafür kassieren, dass sie sie tun.