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Vučić reist nach China und nennt es „den wichtigsten Besuch seiner Karriere". Und Mazedonien?

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Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat angekündigt, sein bevorstehender China-Besuch werde „der wichtigste seiner politischen Karriere". Eine typisch Vučić-Aussage - mit klarer Botschaft an das Heimpublikum, dass er sich außerhalb des europäischen Standardrahmens bewegt.

Laut Belgrad wird es ein Staats- und offizieller Besuch von 5-6 Tagen sein. Themen: Robotik, künstliche Intelligenz, militärtechnische Zusammenarbeit, Wirtschaft, Infrastruktur und Bildungsreformen. Der chinesische Präsident Xi Jinping wird im kommenden Monat auch die Staats- und Regierungschefs der USA und Russlands empfangen.

Was bedeutet das für den Balkan? Erstens - China ist für Serbien kein „ferner Partner" mehr. Es ist ein zentraler Akteur in mehreren Schlüsselsektoren. Die militärtechnische Kooperation ist bereits Realität (Verträge über HQ-22-Raketensysteme, über Drohnen). Die Infrastruktur an Serbiens Korridoren wird überwiegend mit chinesischem Kapital finanziert.

Zweites Signal - Vučić erklärte parallel, „heute haben wir, womit wir in den Krieg ziehen können, Serbien ist stärker als je zuvor". Solche Aussagen sind nicht zufällig - sie definieren Belgrads geopolitische Position. Nicht als „europäisches Land in Beitrittsverhandlungen" - sondern als Regionalmacht mit chinesisch gestützten Fähigkeiten.

Für Mazedonien ist die Frage klar: Was tun wir? Skopje ist bereits in der NATO. Es kann weder mit chinesischer Militärtechnik mitziehen noch ein „gleichberechtigter Partner" Chinas auf Ebene von Infrastrukturverträgen sein. Bleibt diskrete Wirtschaftskooperation - mit klaren Grenzen.

Vučić spricht von Bildung als „einem der wichtigsten Themen". Eine seltsame Aussage von einem Mann, der seit Monaten landesweite Studentenproteste umgeht. Im Kontext der China-Gespräche meint Bildung aber nicht das, was wir in Skopje darunter verstehen - es geht um Investitionen in MINT-Fachkräfte, Technologiezentren und gemeinsame Forschungsprogramme.

Kosovo? Vučić wiederholte, Serbien sei einer friedlichen Lösung verpflichtet. Doch das ist Rhetorik ohne Substanz. Die realen Schritte - militärisch, diplomatisch, energiepolitisch - gehen in die entgegengesetzte Richtung.

Der Balkan sieht eine weitere Episode der alten geopolitischen Geschichte. Serbien - mit einem Bein in den EU-Verhandlungen, mit dem anderen in den BRICS-Korridoren. Und mit einer Botschaft an die Nachbarn: Wir sind stärker. Behaltet das im Hinterkopf.

Was wird Mazedonien daraus mitnehmen? Hängt davon ab, ob wir überhaupt vorhaben, etwas mitzunehmen - oder ob wir den Besuch nur als Fußnote in den Nachrichten kommentieren.