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Der Balkan im Roten: 90% Europas atmen schlechte Luft, wir zahlen mit dem Leben

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Laut den jüngsten europäischen Luftqualitätsdaten atmen mehr als 90 Prozent der Europäer Luft, die nicht den Standards der Weltgesundheitsorganisation entspricht. Die norditalienische Stadt Cellino San Marco-Mesagne führt die schwarze Liste mit 117 Mikrogramm PM2.5 pro Kubikmeter an. Torchiarolo liegt bei 113. Der EU-Grenzwert: 25. Der WHO-Grenzwert: 5.

Mazedonien? Im Roten. Unter den neun Ländern, die die EU-Grenzwerte überschreiten. Am schlimmsten in den Industriezonen.

Die Sterblichkeitszahlen sprechen für sich. Italien - 101 Tote pro 100.000 Einwohner durch Langzeitexposition gegenüber PM2.5. Spanien - 41. Frankreich - 34. Deutschland - 37. Albanien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien und Mazedonien clustern sich gleich hinter Italien im selben „Übergang".

Heißt: Der Balkan ist zusammen mit Süditalien „Europas Lungenkrise". Die Länder mit der höchsten Sterblichkeit durch verschmutzte Luft sind genau jene, die im politischen Diskurs am wenigsten darüber reden.

Was erzeugt diese tödliche Suppe? Biomasseverbrennung (Holzheizung), Fahrzeugabgase, Raffinerien, Zementwerke, das Verbrennen fossiler Brennstoffe. Der Winter arbeitet gegen uns - niedrige Temperaturinversionen halten die Partikel über den Städten fest.

Skopje liegt jeden Winter in den weltweiten Top 5 der am stärksten verschmutzten Städte - von Dezember bis März. Bitola, Tetovo, Kičevo folgen. Aber das Problem ist kein „Winterproblem". Es ist ganzjährig. Es lebt nur in der warmen Jahreshälfte unter dem Radar.

Warum ist die Sterblichkeit in Italien so hoch, und es gibt trotzdem keine politische Reaktion? Dieselbe Frage gilt für uns. Verschmutzte Luft tötet leise - nicht in einer Nacht wie ein Brand, nicht auf der Straße wie ein Verkehrsunfall. Sie tötet mit zehn Jahren Lungenkrebs, fünfzehn Jahren chronisch obstruktiver Lungenkrankheit, zwanzig Jahren Herzproblemen.

Das sieht nicht nach Krise aus. Das sieht nach „Alter" aus. Deshalb reagieren Politiker nicht - weil niemand behaupten kann, sein Großvater sei „an der Luft" gestorben.

Doch die Daten sagen: Er starb. Zusammen mit 100 anderen von 100.000.

Mitten in Europa steht der Balkan im Roten. Italien führt die Statistik an. Und wir? Wir warten jeden Winter darauf, dass „die Natur" das Problem von selbst löst - mit einem Südwind oder mit Schnee. Als wären wir kein Land mit einem Umweltbudget.

Die Frage ist einfach. Wie viele Tote braucht es in den Städten von Skopje bis Bitola, bis jemand zugibt, dass verschmutzte Luft kein „Winterthema" ist - sondern ein dauerhaftes, ungelöstes Problem all jener, die Geld dafür kassieren, es zu „lösen"?