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Ein Glastisch ist keine Modeentscheidung, sondern eine Entscheidung über Licht: das Homeoffice, in dem die Farbe von den Kleinigkeiten kommt, nicht von den Möbeln

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Ein Glastisch ist keine Modeentscheidung, sondern eine Entscheidung über Licht: das Homeoffice, in dem die Farbe von den Kleinigkeiten kommt, nicht von den Möbeln

Ein Glastisch ist keine Modeentscheidung. Er ist eine Entscheidung über Licht. Ist die Arbeitsfläche durchsichtig, geht das Licht hindurch, statt auf Massivholz zu treffen und mitten im Raum einen Schatten zu werfen - und genau das unterscheidet ein Zimmer, das nach Büro aussieht, von einem, in dem man arbeiten mag.

Das häusliche Arbeitszimmer der spanischen Fernsehmoderatorin Nuria Roca lohnt die Betrachtung gerade deshalb, weil jeder Schritt darin eine Begründung hat und nicht nur einen Preis. Der Raum hat doppelte Höhe - eine Decke auf zwei Ebenen - was der Luft darin sofort ein anderes Volumen gibt. Große Glasschiebetüren mit Holzrahmen lassen Licht ohne Unterbrechung herein und öffnen den Raum zum Garten, sodass das Grün draußen als Teil der Einrichtung wirkt. Die Beleuchtung ist geschichtet: indirektes technisches Licht, eingebaute schwenkbare Deckenspots und eine bewegliche Arbeitsleuchte im Stil der klassischen Tolomeo, rund 300 Euro, direkt über dem Tisch.

Das Zentrum: Glas und Chrom, darunter ein Perserteppich

Der Tisch hat eine schlanke verchromte Rohrkonstruktion und eine Glasplatte. Die Entscheidung ist bewusst - kein visuelles Gewicht, das Licht kommt durch. Doch Glas und Stahl ergeben zusammen einen kalten Raum, und hier folgt der Schritt, der ihn rettet: Unter dem Tisch liegt ein Perserteppich mit feinem Blumenmuster in rötlichen Tönen. Er ist das einzig Warme in diesem Teil des Zimmers, und ohne ihn wäre die ganze Lösung ein Salon, kein Arbeitszimmer. Der Stuhl ist ergonomisch, aus schwarzem Leder, ohne Zierde.

Was wenig kostet und viel sichtbar ist

Aus diesem Raum lernt man eines, das für eine Sechzig-Quadratmeter-Wohnung genauso gilt wie für ein Haus mit Garten: Die Farbe kommt nicht von den Möbeln, sondern von den Kleinigkeiten auf dem Tisch. Hier sind das ein senfgelber zylindrischer Organizer, ein hölzerner geometrischer Stiftebecher, Gläser mit geripptem Glas und Bambusdeckeln, kleine Keramik und Mappen in kräftigen Farben. Keiner dieser Gegenstände ist teuer, und jeder lässt sich für eine Saison austauschen. Wenn dein Zimmer tot wirkt, ist genau das, was ihm fehlt - kein größerer Tisch.

Auf dem Tisch liegen zudem großformatige Bücher von Verlagen wie Taschen, über Architektur, Fotografie und Design. Hier lohnt Ehrlichkeit: Sie sind auch Dekoration. Aber anders als viele andere Dekorationen werden sie auch gelesen.

Die Wände werden als eigene Entscheidung behandelt

Statt einer neutralen Fläche, die wartet, tragen die Wände großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien und Porträts in schlichten schwarzen Rahmen, mit industriellen und urbanen Motiven, die die Höhe des Raums betonen. Auf der gegenüberliegenden Seite herrscht ein ganz anderes Register - typografische Poster mit Botschaft, auf Kraftpapier gedruckt und in hellem Holz gerahmt, dazu abstrakte und geometrische Kompositionen in Gelb und Rot. Das ist kein zufälliger Mix. Die eine Seite ist streng und vertikal, die andere laut und grafisch, und zusammen geben sie einem Raum Charakter, der sonst bloß funktional wäre.

Die Leseecke - und warum es sie überhaupt gibt

Gegenüber dem Tisch liegt eine Ruhezone im Mid-Century-Stil: zwei Retro-Sessel mit sichtbarem, geschwungenem Holzgestell, bezogen mit meergrünem Samt. Daneben eine Kommode aus Nussbaum mit ausgeprägter natürlicher Maserung und Satinfinish, darauf geometrische Keramik in Weiß und Schwarz sowie Trockenzweige. Für Licht sorgt eine Stehlampe aus gebürstetem Messing mit Marmorfuß und halbkugelförmigem Schirm.

Diese Ecke ist der lehrreiche Teil des ganzen Zimmers. Arbeitszone und Ruhezone liegen im selben Raum, aber mit völlig verschiedenen Materialien - Glas und Chrom gegen Holz, Samt und Messing. Das ist es, was dem Kopf sagt, er habe sich von einem Ort zum anderen bewegt, ohne den Raum zu verlassen.

Das zweite Büro - das in der Küche

Und schließlich der Schritt, der unserer Realität am nächsten kommt. Ein Teil der Küche wurde mit einer industriellen Glastrennwand in schwarzem Stahlrahmen zur Arbeitsecke - sie dämmt Schall, ohne Licht oder Blick zu unterbrechen. Die Wand ist mit Leisten aus Natureiche verkleidet, was Wärme und Textur einbringt. Der Tisch ist rund und dient zum Essen wie zum Arbeiten. Die Stühle sind DSW von Charles und Ray Eames, mit weißer Polypropylenschale und Buchenbeinen.

Und hier steht das brauchbarste Detail der ganzen Geschichte: Unter dem Fenster befindet sich ein niedriges Bücherbord, die Bücher nach Farbe geordnet. Das ist die Lösung für eine Wohnung, in der es kein eigenes Arbeitszimmer gibt und nie geben wird. Die Glastrennwand ist teuer, die Leisten sind mittlere Preisklasse, und das Bord unter dem Fenster ist fast kostenlos - und dennoch lösen alle drei dasselbe Problem: Arbeiten und Leben im selben Raum, ohne dass eines das andere verschluckt.