Skip to content

Achttausend übersetzte Seiten zu je 25 Euro: was ein Prozess im Ausland wirklich kostet, selbst wenn die Anwälte nichts berechnen

1 Min. Lesezeit
Teilen
Achttausend übersetzte Seiten zu je 25 Euro: was ein Prozess im Ausland wirklich kostet, selbst wenn die Anwälte nichts berechnen

In diesem Interview steht ein Satz, der mehr wert ist als der gesamte Medienlärm um den Fall. Rodolfo Sancho, der spanische Schauspieler, dessen Sohn in einem thailändischen Gefängnis eine lebenslange Strafe verbüßt, erklärt, wie er damit umgeht: „Wenn du dich nur an das hältst, was du selbst tun kannst, senkst du den Stress ein wenig.“

Das ist keine Philosophie. Das ist, was ihm geblieben ist.

Der Sohn, Daniel Sancho, wurde am 29. August 2024 im Zusammenhang mit dem Tod des kolumbianischen Chirurgen Edwin Arrieta zu lebenslanger Haft verurteilt. Er sitzt im Gefängnis von Surat Thani. Die Verteidigung legte Berufung ein und macht Verfahrensfehler geltend.

Wie der Vater davon erfuhr, ist für sich genommen ein Bild davon, wie Nachrichten heute funktionieren: Jemand aus der Familie leitete ihm eine Agenturmeldung weiter. Nicht die Polizei, nicht die Botschaft - eine Meldung. Dann folgten Telefonate mit der Botschaft und mit jedem, den er erreichte, und mit seinem Sohn sprechen konnte er erst nach 48 Stunden. „Zuerst ist es ein brutaler Schock, ein enormer Eindruck“, sagt er und beschreibt einen Zustand der Dissoziation - wenn die Sache zu schwer ist, um sie im Moment anzunehmen.

Ein Detail aus dem Interview erklärt die gesamte Ökonomie eines solchen Verfahrens besser als jede juristische Analyse. Die Übersetzung der Unterlagen kostet 25 Euro pro Seite zu 350 Wörtern, übersetzt wurden rund 8.000 Seiten. Rechnen Sie selbst. Das Anwaltsteam arbeitete ohne Honorar - das heißt, selbst wenn die Anwälte nichts berechnen, verschlingt das Verfahren allein Summen, die ein normaler Mensch sich nicht vorstellen kann. Wie viele Familien würden eine solche Rechnung aushalten?

Mit seinem Sohn spricht er einmal pro Woche und kennt dessen Gefängnisroutinen. Die Beziehungen in der Familie sind angespannt - Daniel hat den Kontakt zu seiner Mutter, Silvia Bronchalo, abgebrochen. Vor der Abreise nach Thailand verbrachte er Zeit mit seinem Vater auf Fuerteventura: Strand und Grillen. Ein ganz gewöhnlicher Urlaub, zwei Jahre vor alldem.

Rodolfo kehrt unterdessen mit einer neuen Serie ins Fernsehen zurück. Manche werden das seltsames Timing nennen. Aber ein Mann, der weiterhin 8.000 übersetzte Seiten bezahlen muss, hat nicht den Luxus, auf den passenden Moment zu warten.