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Mit 75 beendete sie eine Karriere von einem halben Jahrhundert - und statt Stille wählte sie eine neue Bühne

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Mit 75 beendete sie eine Karriere von einem halben Jahrhundert - und statt Stille wählte sie eine neue Bühne

Mit 75 hat die spanische Sängerin Paloma San Basilio eine über ein halbes Jahrhundert währende Konzertkarriere beendet - und statt sich in die Stille zurückzuziehen, tat sie das Gegenteil: Sie setzte sich hin, um Bilanz über ihr Leben zu ziehen, ohne Bitterkeit und ohne Angst vor der Einsamkeit.

Die Tournee "Gracias" beendete sie im April dieses Jahres in Miami, ein Schlusspunkt einer über 50-jährigen Bühnenkarriere. Doch sie hörte nicht auf - jetzt tritt sie in Theatern in ganz Spanien mit dem Stück "Dulcinea" auf, schreibt Romane (der dritte, "Uxoa", ist gerade erschienen) und malt in lebhaften Farben. "Ich bin glücklich, dass ich mich mit 75 so fühle - mit Begeisterung, mit Energie und mit Gesundheit, noch immer fähig, komplexe Texte zu tragen", sagt sie.

Ihr Zuhause ist ein altes Landhaus im Baztan-Tal in Navarra, schon 1999 gekauft und mit Respekt vor seiner Geschichte restauriert. Sie nennt es eine "Autobiografie" - jede Ecke erzählt einen Teil ihres Weges. Doch hinter dieser Ruhe liegt Schmerz: "Der Verlust meiner Schwester, die während der Pandemie starb, bedeutete, dass ich meinen emotionalen Halt verloren hatte. Da begriff ich, dass ich einen Ort brauche, an dem ich wirklich atmen kann."

Ihre Gedanken über die Liebe klingen nach etwas, das man in jedem Alter lesen sollte: "Jeder Mensch ist bereits ein Ganzes. Die gesündesten Beziehungen entstehen zwischen zwei unabhängigen Menschen, die sich entscheiden, gemeinsam zu gehen." Und über die Einsamkeit - "Ich hatte nie Angst, allein zu sein, weil ich mich mit mir selbst wohlfühle."

In einer Kultur, in der eine Frau jenseits eines gewissen Alters zu oft von der Bühne getilgt wird, ist die Geschichte von San Basilio ein leiser Aufstand. Die Jahre, sagt sie, "existieren häufiger im Kopf als irgendwo sonst". Der Balkan kennt dieselben Großmütter, die mit fünfundsiebzig noch Haus, Familie und ihr eigenes Lied halten - nur fragt sie selten jemand, wie.