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Die Kirche, die Édith Piaf und Maria Callas verabschiedete: die 130-jährige Geschichte der griechischen Kathedrale in Paris

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Die Kirche, die Édith Piaf und Maria Callas verabschiedete: die 130-jährige Geschichte der griechischen Kathedrale in Paris

Es gibt Kirchen, die sich an mehr Leben erinnern als manche Völker. Die griechische Kathedrale des heiligen Stephanus im 16. Arrondissement von Paris - auch bekannt als Kirche des Aghios Stefanos - ist eine solche. Dieser Tage stand sie wieder im Rampenlicht als der Ort, an dem das Model Nieves Álvarez und der libanesische Geschäftsmann Bill Saad in einem orthodoxen Ritus heirateten. Doch die Geschichte dieses Tempels ist weit älter und weit interessanter als jede Hochzeit.

Zwischen 1890 und 1895 erbaut, hat die Kathedrale eine Fassade im neuromanischen Stil und ein Inneres im byzantinischen - ein Kontrast, der jeden überrascht, der eintritt. Das Geld für den Bau stammte von einem in Konstantinopel geborenen Bankier, Demetrius Schilizzi, der dem griechischen Staat das Gebäude unter zwei Bedingungen anbot: dass der Gottesdienst orthodox sei und der Tempel die örtlichen Griechen empfange. Geweiht wurde sie am 22. Dezember 1895, in Anwesenheit des Erzbischofs von Heraklea.

Hier wird die Geschichte kinoreif. 1936 fand in dieser Kirche die Beerdigung von Eleftherios Venizelos statt, einem der bedeutendsten griechischen Politiker, einem ehemaligen Premierminister, der im Exil in Paris endete. Doch der Tempel war auch Zeuge anderer Abschiede und Feiern, an die sich die Welt lange erinnerte.

Hier heiratete, ein Jahr bevor sie für immer erlosch, der „Pariser Spatz" Édith Piaf zum zweiten Mal - den Sänger Théo Sarapo, 20 Jahre jünger als sie. Und fünfzehn Jahre später verabschiedete sich dieselbe Kathedrale von der Opernlegende Maria Callas, in einer intimen Zeremonie, an der auch die monegassische Fürstin Gracia teilnahm. Die Asche von Callas wurde danach in der Ägäis verstreut.

Der orthodoxe Ritus, der hier bis heute stattfindet, folgt einer uralten Struktur. Die Hochzeit beginnt mit einer Verlobung am Eingang, wo der Priester das Brautpaar segnet und ihm Kerzen gibt, die das geistige Licht symbolisieren. Dann werden die Ringe dreimal zwischen Braut und Bräutigam getauscht, wodurch sich ihre Leben verflechten. Es folgt die Krönung - die Kränze werden dreimal über die Köpfe gehalten. Gegen Ende trinkt das Paar dreimal aus demselben Kelch gesegneten Weins, und der Priester führt es in drei Kreisen um den Altar. Der Kreis, der die Ewigkeit der Ehe darstellt. Manche Traditionen überdauern hundertdreißig Jahre nicht, weil sie modern sind, sondern weil sich die Menschen noch immer nach etwas sehnen, das Bestand hat.