Skip to content

Im Gefängnis gestorben, bevor sie auch nur ein Zehntel von 45 Jahren verbüßt hatte: Was bedeutet Gerechtigkeit dann?

1 Min. Lesezeit
Teilen
Im Gefängnis gestorben, bevor sie auch nur ein Zehntel von 45 Jahren verbüßt hatte: Was bedeutet Gerechtigkeit dann?

Manche Geschichten enden in einer Gefängniszelle, leise, weit weg von den Schlagzeilen, die sie einst füllten. Ledjiba Ravlic, geboren 1948, starb am 12. Juni 2026 im Gefängnis auf dem Berg Igman bei Sarajevo, wo sie eine 45-jährige Haftstrafe für einen der grausamsten Morde verbüßte, an die sich Bosnien in den letzten Jahren erinnert.

Ravlic und ihr Sohn Goran waren wegen des brutalen Mordes an Gorans Ehefrau verurteilt worden, begangen 2024 im Sarajevoer Viertel Pofalici. Die Details der Anklage waren so grausam, dass das Gericht sie nur selten vollständig veröffentlichte - anhaltende Misshandlung, die mit dem Tod des Opfers endete. Beide erhielten je 45 Jahre Haft, die höchstmögliche Strafe.

Der Tod trat aus natürlichen Ursachen ein. Ravlic war wenige Tage zuvor wegen stark verschlechterten Gesundheitszustands und Bewegungsunfähigkeit mit einem Krankenwagen ins Gefängnis gebracht worden. So ging eine der beiden Hauptschuldigen an einem Verbrechen, das das ganze Land erschütterte, bevor sie auch nur ein Zehntel der verhängten Strafe verbüßt hatte.

Die Frage, die solche Fälle immer aufwerfen, ist schwer, aber echt: Was bedeutet „Gerechtigkeit", wenn der Verurteilte nach wenigen Jahren einer 45-Jahre-Strafe stirbt? Für die Familie des Opfers bringt keine Zahl von Jahren etwas zurück. Der Balkan ist voll solcher Geschichten - grausame Verbrechen, lange Prozesse, und am Ende kommt der Tod oft, bevor die Gerechtigkeit vollendet ist. Bleiben der Sohn Goran, der seine Strafe noch verbüßt, und eine Gesellschaft, die sich erneut fragen wird, wie es überhaupt so weit kommen konnte.