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Durchgeladene Pistole auf der Straße bei Kruschopek: Die Grenze zwischen Polizeibericht und Beerdigung hielt ein fremder Nerv

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Durchgeladene Pistole auf der Straße bei Kruschopek: Die Grenze zwischen Polizeibericht und Beerdigung hielt ein fremder Nerv

Zwei Autos halten auf der Straße nach Kruschopek. Aus dem einen steigen zwei Männer, einer mit einem spitzen Gegenstand in der Hand. Aus dem anderen steigt ein Mann, mit dem der 25-jährige Fahrer zuvor eine Auseinandersetzung hatte. Er lädt die Pistole durch, richtet sie auf ihn und schlägt ihn mit dem Kolben. Das ist keine Filmszene - das ist ein Polizeibericht von gestern Abend, zwanzig Autominuten vom Zentrum Skopjes entfernt.

Die Anzeige ging gegen 20 Uhr bei der Polizeidirektion Skopje ein. Der Angegriffene ist E.J. aus dem Dorf Kruschopek bei Skopje. Der Verdächtige ist A.S.V. aus Saraj. Das Innenministerium formuliert es in der vorsichtigen Sprache einer Institution, die nichts vorwegnehmen will: „Es werden Maßnahmen zur Aufklärung des Falls ergriffen." Fünf Wörter, die alles und nichts bedeuten.

Was in der Mitteilung unausgesprochen blieb, wiegt schwerer als das Gesagte. Was für eine „frühere Auseinandersetzung" braucht zwei Männer, zwei Fahrzeuge und eine Schusswaffe, um auf offener Straße geklärt zu werden? Eine persönliche Rechnung, ein Nachbarschaftsstreit, etwas Älteres? Das Ministerium sagt es nicht. Und hier beginnt das eigentliche Problem - nicht beim Vorfall, sondern bei dem, was danach kommt.

Die Waffe war durchgeladen, aber nicht abgefeuert. Das ist die Grenze zwischen einem Polizeibericht und einem Todesfall, und diese Grenze hielt gestern allein der Nerv des Mannes, dessen Finger am Abzug lag. Ein Rechtssystem darf nicht davon abhängen, wie sehr jemand gerade zum Schießen aufgelegt war.

Die unangenehmste Frage ist nicht, wer die Pistole zog, sondern wie er an sie kam. Eine legal registrierte Waffe bei einem Mann, der Streit auf der Straße klärt, heißt: Unser Prüfsystem läuft als Formalität. Eine illegale Waffe heißt: Das Aufdeckungssystem läuft genauso. Keine der beiden Möglichkeiten ist bequem.

Wir wissen, was folgt. Strafanzeige, vielleicht Untersuchungshaft, dann Monate der Stille, dann ein Urteil, von dem niemand lesen wird. Deshalb lohnt es sich, diesen Fall mit Namen und Ort zu merken - Kruschopek, 5. August, 20 Uhr. Damit in einem halben Jahr jemand fragen kann, was daraus geworden ist.