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Fünf Portionen Obst am Tag retten die Ernährung nicht: Eine Ernährungsberaterin dreht die Frage um

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Fünf Portionen Obst am Tag retten die Ernährung nicht: Eine Ernährungsberaterin dreht die Frage um

Die Frage klingt ketzerisch, nachdem uns seit dreißig Jahren gesagt wird, wir sollten mehr Obst essen: Übertreiben wir es? Eine Diätologin sagt im Gespräch über Sommerkost, in ihrer Praxis sei die Tendenz tatsächlich, dass Menschen zu viel Obst essen. Nicht weil es schädlich wäre, sondern weil viele meinen, Gesundes kenne kein Maß.

Die Ernährungsberaterin Paloma Quintana dreht die Frage um, und da wird es interessant. Bevor wir das Obst beschuldigen, sagt sie, sollten wir den Rest des Tellers ansehen. „Obst erscheint mir als ideales Lebensmittel, am wichtigsten ist, dass es frisch, saisonal und aus der Nähe ist”, erklärt sie. Der Schlüssel liegt nicht in der Zahl der Äpfel, sondern darin, was diese Äpfel verdrängen.

Ersetzt Obst etwas Süßeres, ist das ein Gewinn. Ersetzt es eine ganze Mahlzeit, ist es ein Verlust.

Frühstückskekse durch Joghurt und Obst zu ersetzen, ist eine Verbesserung. Obst statt Kuchen nach dem Mittagessen ist eine Verbesserung. Aber Obst statt Mittagessen heißt, dass man an diesem Tag weder Eiweiß noch gesunde Fette zu sich genommen hat, und das ist eine ganz andere Geschichte.

Der Einwand, der immer kommt, ist der Zucker. Obst enthält tatsächlich natürlichen Zucker, aber der kommt nicht allein. Er kommt mit Ballaststoffen, Wasser, Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien, und das verändert die Aufnahme im Körper vollständig. „Was Obst an Mikronährstoffen und Vitaminen liefert, übertrifft diese Zucker bei Weitem”, sagt Quintana - bezogen auf gesunde, körperlich aktive Menschen.

Anders liegt der Fall bei Menschen mit Diabetes oder gestörtem Glukosestoffwechsel. Dort verlangt auch natürlicher Zucker eine individuellere Kontrolle. Das heißt kein Verbot - Obst bleibt gesund, aber Menge und Sorte werden auf den Patienten abgestimmt und ärztlich empfohlen.

Der provokanteste Teil des ganzen Gesprächs ist jene Regel, die alle auswendig kennen. Fünf Portionen Obst am Tag als allgemeine Empfehlung erscheint Quintana nicht korrekt. Erstens bezieht sich die ursprüngliche Empfehlung auf Obst und Gemüse zusammen, nicht nur auf Obst. Zweitens lesen viele sie als Erlaubnis, alles andere auszugleichen. „Fünf Portionen Obst am Tag reparieren den Rest deiner Ernährung nicht”, sagt sie.

Das ist der ganze Punkt. Die Frage ist nicht, wie viel Obst wir essen, sondern was daneben immer noch auf dem Tisch steht. Die Antwort versteckt sich, wie üblich, nicht in der Obstschale.