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Wenn eine aristokratische Familie seit Jahrhunderten eine Insel mitten im See besitzt, nennt man das ein privates Refugium. Am Lago Maggiore - Italiens zweitgrößtem See - hält die Familie Borromeo zwei Inseln, Isola Bella und Isola Madre. Beatrice Borromeo, Journalistin und Ehefrau von Pierre Casiraghi, heiratete dort 2015. Nicht zufällig.
Der Lago Maggiore zieht sich vom Piemont in Norditalien bis zu den südlichen Rändern der Schweiz. Die Alpen fallen senkrecht ins Wasser, der Seegrund hat eine schwarze Tiefe, die andere norditalienische Seen nicht haben. Vom Mailänder Flughafen bis zum Ufer - eine Stunde mit dem Auto. Deshalb wählten die Reichen immer genau diesen Ort - nah an allem, sieht aber aus wie eine andere Welt.
Stresa ist das Haupttor - eine gut erhaltene Belle-Epoque-Stadt mit Hotels am Ufer aus dem späten 19. Jahrhundert. Verbania ist das Königreich der Villen: Villa Giulia, Villa San Remigio, Villa Taranto mit 20.000 Pflanzenarten. Cannobio, nahe der Schweizer Grenze, ist ein mittelalterliches Dorf mit pastellfarbenen Häusern - eine Filmszene für alle, die heute glauben, Italien sei nur die Toskana.
Isola Bella, das Hauptsymbol der Borromeos, hat einen Palast aus dem 17. Jahrhundert in Schiffsform. Barocke Gärten, Marmor, eine Grotte verziert mit Muscheln und Steinen. Päpste besuchten ihn, Hemingway schrieb hier. Isola Madre ist eine andere Welt - ein romantischer englischer Garten, weiße Pfauen und goldene Fasane, tropische Pflanzen in die Alpen verpflanzt. Isola dei Pescatori ist die einzig bewohnte Insel - Fischer, Handwerksmärkte, August mit beleuchteten Booten in einer religiösen Prozession.
Der Borromeo-Palast empfing Napoleon und Mussolini. Königin Viktoria kam, der britische Hof macht bis heute private Besuche. Der Franzose Montesquieu beschrieb den Lago Maggiore als "den schönsten Ort der Welt". Auf dem Balkan hat jeder unserer Seen - Ohrid, Prespa, Dojran, Skutari - seine eigene Mythologie, aber keiner trägt die aristokratische Last des Maggiore. Vielleicht ist das gut. Vielleicht ist es schlecht.
Tatsache ist: Am Maggiore ist die Tradition des wohlhabenden Rückzugs nichts Neues - sie funktioniert seit Jahrhunderten, mit denselben Familien, in denselben Palästen. Der Balkan hat noch nicht gelernt, Schönheit ohne hässliches Hotel in der Mitte und Stau bis zum Strand zu verkaufen. Italiener wissen: Eine 700 Jahre alte Familie, die zwei Inseln bewahrt und keine Überentwicklung zulässt, schafft einen Wert, den billiger Massentourismus niemals erreichen wird.
Wäre das auch bei uns möglich? Die Frage ist nicht rhetorisch. Wenn der Ohridsee wieder so aussieht wie der Maggiore vor einem Jahrhundert, reden wir weiter. Bis dahin: Wenn Sie nach Italien fahren, lassen Sie den Comer See aus - dort gibt es zu viele Selfie-Sticks. Der Lago Maggiore ist größer, stiller und geheimer.
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