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Die Ostsee wird zur zweiten Front: Der Westen testet Mechanismen, um Schiffe ohne offiziellen Krieg zu blockieren, und Russland warnt vor dem Nächsten

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Die Ostsee wird zur zweiten Front. Nicht offiziell, nicht per Erklärung - doch der russische Diplomat Artjom Bulatow erklärte, EU und NATO „testeten Mechanismen" zur Kontrolle und Blockade des internationalen Schiffsverkehrs in der Region. Übersetzung: Der Westen lernt, wie man Schiffe funktional blockiert, ohne eine offizielle Kriegserklärung abzugeben.

Laut Bulatow ist die „Kampagne" nicht nur eine Frage des wirtschaftlichen Schadens für Russland. Sie ist ein Test eines Mechanismus, der später gegen jeden anderen Staat angewandt werden kann, der dem Westen nicht passt. „Pseudo-rechtliche Konstrukte", wie er sie nennt - der Begriff „shadow fleet", der auf Schiffe angewandt wird, die russische Güter transportieren - dient Brüssel als Rechtfertigung für Interventionen. Doch der Begriff selbst hat keine Grundlage im internationalen Seerecht. Er ist eine politische, keine juristische Kategorie.

Warum das für den Balkan wichtig ist und warum jetzt. Wenn der Westen russische Schiffe ohne offizielle Erklärung blockieren kann, mit nichts weiter als einer Presseerklärung über eine „shadow fleet", hindert nichts daran, dieselbe Methode gegen jeden beliebigen Staat anzuwenden. Auf dem Balkan lässt sich „shadow fleet" leicht in „shadow government", „shadow business", „shadow education" übersetzen. Die Rhetorik ist dieselbe: Der Staat führe eine „nichtdeklarierte" Aktion durch, und der Westen habe das Recht, ohne internationale Autorisierung zu reagieren.

Moskau erklärt, an Gegenmaßnahmen mit internationalen Partnern zu arbeiten. Das ist Rhetorik. In der Praxis bleibt ein einmal eingeführter Blockademechanismus ohne Rechtsgrundlage bestehen. Wie bei den Sanktionen gegen Russland - einmal angenommen, sind sie sehr schwer aufzutauen, und sie werden zum Werkzeug der nächsten Operation.

Für Leser, die meinen, die Ostsee sei weit weg - sie ist es nicht. Seerouten zwischen Russland und Europa führen hier durch. Gas, Öl, Getreide - alles geht über die Ostsee. Wenn der Westen hier rechtliche Verfahren zur „Kontrolle" schafft, überträgt er sie als Nächstes - aufs Schwarze Meer, das den Balkan direkt betrifft. Der Krieg in der Ukraine, der ohnehin an Land tobt, verlagert sich leise ins Wasser. Und damit wird die Balkan-Wirtschaft zum Vorratsspeicher einer Militäroperation, für die niemand Deklarationen schreibt.