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Die Ernte fällt über 13 Millionen Kilo kleiner aus als im Vorjahr, ein Teil der Winzer hat noch immer keinen Vertrag

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Die Ernte fällt über 13 Millionen Kilo kleiner aus als im Vorjahr, ein Teil der Winzer hat noch immer keinen Vertrag

Kavadarci feiert drei Tage lang die „Tikves-Weinlese“ - Karneval, Verkostungen, Musik, eine Erntetafel im Stadtzentrum. Wenige Kilometer von dieser Tafel entfernt sehen einige Winzer ihre Ernte auf den Feldern stehen, ohne zu wissen, ob sie abgenommen wird und zu welchem Preis.

Beide Bilder stimmen gleichzeitig. Das ist die ganze Geschichte.

Landwirtschaftsminister Borce Serafimovski erklärte in Kavadarci, der Traubenpreis liege dieses Jahr um 25 Prozent höher, der Ankauf laufe und es würden 90 bis 100 Millionen Kilo erwartet - weniger als zuvor wegen Dürre, ungünstiger Witterung und der Unwetter, die die Region trafen. Nach Ministeriumsangaben wurden im Vorjahr rund 113 Millionen Kilo Weintrauben angekauft.

Dieser Vergleich zerlegt die häufigste Verteidigung. Wenn die Ernte 13 bis 23 Millionen Kilo kleiner ausfällt als im Vorjahr, taugt ein Traubenüberschuss nicht als Erklärung dafür, warum der Ankauf stockt. Das Angebot ist geringer - und dennoch haben einige Winzer keinen Vertrag.

Der Staat schickt Geld. Über die Entwicklungsbank Mazedoniens wurde eine Kreditlinie für die Weingüter eröffnet - rund 540 Millionen Denar, die direkt an sie gehen, um den „Vranec“ aufzukaufen. Die Mittel stehen bereit, und sämtliche Mengen würden, so der Minister, von den Weinkellereien übernommen.

Die Opposition liest dieselbe Operation anders. Die SDSM fordert einen sofortigen staatlichen Interventionsankauf, die Abschaffung des Abschlags von 8 Prozent auf den Ankaufspreis, eine zusätzliche Subvention je angekauftem Kilo und eine transparente Preisbildungsmethodik mit klar definiertem Ertrag und Zuckergehalt. Die stellvertretende Vorsitzende Fani Karanfilova-Panovska kündigte Gesetzesvorschläge im Parlament für einen Ankaufspreis von 28 Denar für Vranec und 25 für Smederevka an.

Der Achtprozentabschlag ist das Detail, das selten in Schlagzeilen kommt, und er ist entscheidend. Nach Darstellung der Opposition greift der Abschlag, wenn der Preis binnen acht Tagen ausgezahlt wird - wer sein Geld also schnell will, bekommt es mit Rabatt. Wie das System sonst beschaffen sein mag: Es ist ein System, in dem schnelle Bezahlung den Produzenten teuer zu stehen kommt.

Bürgermeister Mitko Jancev aus Kavadarci hält die Lage für nicht schlechter als in den Vorjahren. „Seit neun Jahren nehme ich als Bürgermeister an den Verhandlungen über den Traubenankauf teil, und ich kann sagen, dass dieses Jahr, abgesehen davon, dass das Gesetz über den Weintraubenpreis geregelt wurde, nichts schlechter und unorganisierter ist“, sagte er und wies Spekulationen zurück, Vranec werde nicht oder nur zu niedrigeren Preisen abgenommen.

Neun Jahre Ankaufsverhandlungen sind zugleich das beste und das schlechteste Argument in diesem Satz. Das beste, weil der Mann tatsächlich weiß, wie es läuft. Das schlechteste, weil sich nach neun Jahren dieselbe Verhandlungsszene jeden September wiederholt - das ist kein saisonales Unglück, das ist ein Mechanismus.

Die Winzer sagen es direkt, ohne Fachbegriffe. „Was für eine ‚Weinlese‘, das hier ist eine ‚Trauerlese‘“, kommentiert der Landwirt Dragi Dzalev und vergleicht den Traubenankauf mit dem Ankauf der Ajvar-Paprika. „Ganze Felder sind mit Trauben stehen geblieben, alles wird verderben und nicht gelesen werden, und die werden mit Tanz und Gesang aufmarschieren“, sagt Gordana Stosic.

In der Öffentlichkeit tauchten auch Aufrufe zum Boykott der Veranstaltung auf, mit der Botschaft „Erst der Ankauf, dann das Lied“. Das ist keine Forderung, die Weinlese abzuschaffen. Es ist die Forderung, die Reihenfolge zu ändern - erst soll feststehen, wer wie viel zahlt, dann wird gefeiert.

Das Problem ist dieses Jahr nach Aussage der Produzenten nicht nur der Preis. Das Problem ist, dass ein Teil von ihnen nicht weiß, ob und zu welchem Preis er den Vranec verkauft - und ohne diese Angabe kann ein Winzer nicht einmal ausrechnen, ob die Investitionen eines ganzen Jahres zurückkommen. Preis, Kreditlinie und Mengen sind veröffentlicht. Was fehlt, ist die Unterschrift, unter der ein Winzer weiß, dass seine Ernte verkauft ist und nicht sein Problem.