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Über 70 Prozent der Europäer leben dort, wo das Durchschnittseinkommen für kein Zuhause über 75 Quadratmeter reicht

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Über 70 Prozent der Europäer leben dort, wo das Durchschnittseinkommen für kein Zuhause über 75 Quadratmeter reicht

Die Schlagzeile, die diese Woche durch europäische Medien geht, lautet, über 70 Prozent der Europäer könnten sich keine eigene Wohnung leisten. Das steht so nicht in der Studie. Der Unterschied ist nicht kosmetisch - er ist der Unterschied zwischen Panik und Datenlage.

Was die Studie tatsächlich feststellt: Mehr als 70 Prozent der europäischen Bevölkerung leben in Regionen, in denen das Durchschnittseinkommen selbst mit einer 30-jährigen Hypothek den Kauf einer Wohnung über 75 Quadratmeter nicht ermöglicht. Nicht „keine Wohnung“. Nicht „kein Kredit“. Sondern: nicht über 75 Quadratmeter, in dieser Region, mit diesem Einkommen.

Die Untersuchung stammt von Franziska Zilker und Selim Banabak von der Technischen Universität Wien, veröffentlicht am 2. September dieses Jahres im Fachjournal „Journal of Maps“. Es ist keine Umfrage - die Autoren analysierten mehr als 22 Millionen gültige Verkaufs- und Langzeitmietinserate in 31 europäischen Ländern, erhoben von März 2024 bis März 2025, und verknüpften sie mit regional angepassten Daten zu verfügbaren Einkommen.

Die Methodik macht die Studie wertvoll. Statt eine Stadt für teuer oder billig zu erklären, fragt sie, wie viel Wohnfläche sich mit dem Durchschnittseinkommen in der konkreten Region real finanzieren lässt. Das Modell ist eine 30-jährige Hypothek, Steuern und obligatorische Transaktionskosten fließen ein, und als Überlastungsgrenze gilt ein Wohnkostenanteil von rund einem Drittel des Einkommens.

Die Miete bietet keinen Ausweg. Nach derselben Analyse leben mehr als 39 Prozent der Bevölkerung in Gebieten, in denen ein Drittel des Durchschnittseinkommens auf dem privaten Mietmarkt weniger als 50 Quadratmeter deckt. In Teilen des ländlichen Europa ist das Problem ein anderes und schlimmeres - ein formales Langzeitmietangebot existiert praktisch nicht.

Die Geografie des Drucks ist vorhersehbar und genau deshalb bedeutsam. Am stärksten ist er in Hauptstädten, großen urbanen Zentren, touristischen Küstenregionen und Alpengebieten. Das Umland von Paris, Berlin und Madrid zählt zu den Beispielen, in denen hohe lokale Einkommen den Preisanstieg nicht mehr ausgleichen. Das ist der Punkt: Es geht nicht um arme Regionen, sondern um Regionen, in denen ein gutes Gehalt kein Dach mehr bedeutet.

Die andere kursierende Zahl stammt aus dem Bericht „Mapping the World's Prices 2026“ von Deutsche Bank Research, wonach der Quadratmeter Wohnung im Zentrum von Zürich durchschnittlich 22.910 Euro erreicht. Dieser Bericht vergleicht 69 große Weltstädte, davon 28 europäische - und bezieht sich auf zentrale urbane Märkte, nicht auf einen Landesdurchschnitt. Wer diese Zahl als „den Preis in der Schweiz“ zitiert, hat den Bericht nicht gelesen.

Die Folge reicht weit über den Immobilienmarkt hinaus. Wenn ein Berufstätiger nicht in der Nähe seines Arbeitsplatzes wohnen kann, steigen Fahrzeit und Fahrtkosten, Familien werden an die Peripherie gedrängt, und Eigentum hängt zunehmend von Erbschaft, familiärer Hilfe oder zwei stabilen Haushaltseinkommen ab. Wohneigentum ist dann nicht mehr Ergebnis von Arbeit, sondern eine Frage der Herkunft.

Der Balkan liest diese Karte mit besonderem Gefühl. Hier galt Wohneigentum jahrzehntelang als Maß des Erwachsenseins - man zieht aus dem Elternhaus aus, wenn man die eigene Wohnung kauft. Wenn dieses Modell schon in den einkommensstärksten Regionen Europas bricht, lohnt die Frage, mit welchem Einkommen es hier verteidigt wird.