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Ehemann tötet Journalistin Elma Godinjak in Sarajevo, erschießt ihren Bruder und flieht mit der fünfjährigen Tochter - eine klassische Geschichte einer Scheidung, die er nicht akzeptiert hat

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In Sarajevo, im Stadtteil Dobrinja, wurde Elma Godinjak - eine 41-jährige Journalistin - von ihrem eigenen Ehemann getötet. Tarik Prusac, 49 Jahre alt, erschoss zunächst seine Frau und anschließend auch ihren Bruder, dann floh er mit der gemeinsamen fünfjährigen Tochter. Nach einer mehrstündigen Polizeijagd durch Sarajevo wurde er festgenommen. Das Kind wurde lebend und unverletzt gefunden.

Prusac arbeitete im Sicherheitsbereich und hatte beruflich Erfahrung mit Waffen. Das ist konkret: Tötung mit der Pistole, im Haus, nach einer kühl geplanten Verabschiedung der Ehefrau. Hier hat keiner „im Affekt gehandelt". Hier ist ein Mann, der seit Jahren weiß, wie man mit einer Waffe umgeht - und der dieses Wissen einsetzte, als er die Scheidung nicht akzeptieren wollte.

Der Kontext zählt. Das Paar befand sich im Scheidungsverfahren. Prusac - so die Familie Elmas - wollte die Scheidung nicht hinnehmen. Er verfolgte sie, filmte sie und ließ ihr keine Ruhe. Ein klassischer Fall von „eine Frau will einen Mann verlassen, der sie nicht gehen lässt". Und im bosnischen wie im mazedonischen und serbischen Rechtssystem enden solche Fälle schlecht. Weil die Institutionen erst danach reagieren, nicht davor.

Was haben wir heute verloren? Keine „Statistikeintragung" - keine Zahl im Bericht über häusliche Gewalt. Wir haben eine Journalistin verloren. Eine Frau, die in den Medien gearbeitet hat. Die das historische Gedächtnis der bosnischen Gesellschaft mitgeschrieben hat. Die eine fünfjährige Tochter hatte. Dieses kleine Mädchen wird ohne Mutter aufwachsen, mit dem Vater im Gefängnis und mit einer Familie, die sie gemeinsam aus einem Trauma herausziehen muss, das sie nicht verdient hat.

Im Balkan-Kontext ist das in den letzten Jahren nichts Außergewöhnliches. Die Balkanstaaten haben nach mehreren Jahrzehnten zunehmender geschlechtsspezifischer Gewalt diese endlich als eigenständiges Delikt kodifiziert. Doch die Strafen bleiben mild. Die Polizei reagiert langsam, die Gerichte akzeptieren oft den „emotionalen Zustand" als mildernden Umstand. Ergebnis - der Täter sitzt 8 bis 12 Jahre im Gefängnis, kommt mit Mitte 50 wieder raus, ohne Folgen für den Rest seines Lebens.

Die Lösung lautet nicht „härtere Strafen". Sie lautet: Prävention. Wenn eine Frau anzeigt, dass ihr Ehemann sie verfolgt oder bedroht, muss der Staat reagieren, bevor die Tragödie geschieht. Es wird nicht perfekt sein. Es wird nicht alles verhindern. Aber wenigstens werden wir einer Fünfjährigen nicht erklären müssen, dass sie ihre Mutter verloren hat - während wir Statistiken lesen und Reaktionen verfassen.