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Eine Konditorin ließ sich Croissants aufs Korsett sticken: Bräute zahlen wieder für Handarbeit

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Eine Konditorin ließ sich Croissants aufs Korsett sticken: Bräute zahlen wieder für Handarbeit

Einige Saisons lang wurde das Brautkleid daran gemessen, wie klar es war. Minimalismus, glatte Seide, keine sichtbare Naht. Der Herbst 2026 dreht das um - die ganze Aufmerksamkeit geht auf das Oberteil, und zwar auf das, woran eine Hand gearbeitet hat.

Designer holen die Korsetts zurück, aber nicht wegen der Silhouette. Das Korsett ist nun Leinwand - darauf Stickerei mit kontrastierendem Faden, feine Perlen, Spitze nach alter Technik oder ein Relief, das sich vom Oberkörper hinab zum Rock zieht. Der Rock ist umgekehrt schlicht und leicht. Eine Stelle trägt alles.

Das beste Beispiel dafür, wie weit die Personalisierung geht, ist das Kleid, das das Atelier Valenzuela für eine Braut mit dem Beruf Konditorin fertigte: auf das Korsett sind Croissants und Teigstücke gestickt. Ihre Erklärung ist einfach - sie wollte etwas tragen, das sie kennzeichnet, verbunden mit dem, womit sie sich täglich beschäftigt.

Das Atelier Antonio Garcia aus Sevilla wählt die leisere Linie: schlichter Rock, Oberteil mit floraler Stickerei im Champagnerton, halbtransparente lange Ärmel und ein klassischer Tüllschleier. Cherubina setzt ein asymmetrisches florales Relief, das vom Oberteil nach unten fließt, mit eckigem Ausschnitt und Trägern.

Bei Navascues gibt es zwei völlig verschiedene Lösungen. Die eine ist ein drapiertes Korsett mit Kristallstickerei und einer abnehmbaren Mantelweste darüber. Die andere greift Stickereien alter Mäntel auf - Wildseide in Champagner, mit Ärmeln, die sich vom Korsett lösen lassen. Derselbe Designer, zwei Bräute, nichts gemeinsam außer der Handarbeit.

Romancera geht unter der kreativen Leitung von Tamara Vazquez in eine Boho-Retro-Richtung mit diagonal gesetzter Spitze - ein Kniff, der die symmetrische Lesart des Körpers bricht und Theatralik hinzufügt. Der Schleier ist kurz, im Julia-Stil.

Was all das verbindet, ist nicht der Stil, sondern die Stunden. Stickerei mit Kontrastfaden, Perlen, Spitze Stück für Stück von Hand gesetzt - das ist Arbeit, die sich in Wochen misst, nicht in Tagen. Und genau deshalb ist der Trend interessanter, als er auf den ersten Blick wirkt: nach zehn Jahren, in denen die Brautmode den Minimalismus lobte, zahlen Bräute wieder für etwas, das jemand tatsächlich mit den Händen gefertigt hat.

Bei uns ist Stickerei auf Brautkleidung kein Trend, sondern eine Tradition, die irgendwann in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts abriss. Die mazedonische Tracht trug Stickerei, die sagte, woher eine Frau kam und aus welchem Haus. Nun kehrt dieselbe Idee über spanische Ateliers zurück, heißt Personalisierung und kostet, was sie kostet.