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Der Bikini wird 80: vom Skandal, den kein Model tragen wollte, zum Symbol des Sommers

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Der Bikini wird 80: vom Skandal, den kein Model tragen wollte, zum Symbol des Sommers

Vor genau achtzig Jahren, am 5. Juli 1946, skandalisierte ein Stück Stoff Europa so sehr, dass kein professionelles Model es tragen wollte. Heute tragen es Millionen Frauen jeden Sommer, ohne auch nur nachzudenken. Die Geschichte des Bikinis ist die Geschichte davon, wie das Schändliche zum Normalen wird - es braucht nur genug Zeit.

Erfunden hat ihn Louis Réard, ein französischer Automobilingenieur, der das Dessousgeschäft seiner Mutter in Paris erbte. Sein Entwurf - „vier Dreiecke Stoff mit Zeitungsdruck“ - enthüllte den Bauchnabel, was 1946 fast eine Provokation war. Da kein Model darin posieren wollte, musste Réard Micheline Bernardini engagieren, eine Tänzerin aus einem Pariser Kasino, für die Premiere am berühmten Molitor-Bad.

Sogar der Name ist im wörtlichen Sinne explosiv. Réard benannte ihn nach dem Bikini-Atoll auf den Marshallinseln, wo die USA kurz zuvor eine Atombombe getestet hatten. Er wollte, dass seine Kreation eine „explosive Reaktion“ in der Mode auslöst - und es gelang. Was als Schock für die öffentliche Moral begann, wurde binnen weniger Jahrzehnte zum Symbol des Sommers und der weiblichen Freiheit.

Die Ikonen erledigten den Rest. Brigitte Bardot machte ihn in den Sechzigern zum Symbol der Freiheit der französischen Riviera. Der weiße Bikini von Ursula Andress aus dem James-Bond-Film von 1962 ging in die Filmgeschichte ein - dieses eine Kostüm wurde 2020 bei einer Auktion für einen Startpreis von einer halben Million Dollar verkauft. Interessant ist, dass die Idee nicht einmal neu war: Römische Mosaike aus Sizilien aus dem 4. Jahrhundert zeigen bereits Frauen in zweiteiliger Sportkleidung.

Die Lehre ist älter als der Bikini. Jede Zeit hat ihre Tabus, und fast jedes davon fällt am Ende - nicht, weil jemand eine Debatte gewonnen hat, sondern weil eine neue Generation der Scham der vorigen schlicht nicht mehr zustimmt. Die Frage ist nicht, ob die heutigen Tabus fallen, sondern welche uns jetzt unantastbar erscheinen und unseren Enkeln lächerlich vorkommen werden.