Skip to content

Siebtklässler aus Bitola veröffentlicht „Liquidationsliste": Schule Stiv Naumov unter Polizeischutz

1 Min. Lesezeit
Teilen

Die Polizei wird in Zivil die Grundschule „Stiv Naumov" in Bitola bewachen. Anlass - ein Siebtklässler hat auf TikTok eine „Liquidationsliste" mit den Namen seiner Mitschüler veröffentlicht. Der Fall hat alle schulischen, polizeilichen, juristischen und sozialen Dienste aktiviert - aber er stellt auch eine grundlegende Frage: Warum greifen Kinder in mazedonischen Grundschulen zu derart gewaltsamer Rhetorik, und was tun wir, um das zu verhindern?

Die Maßnahme zum Polizeischutz wurde vom Schulrat in einer außerordentlichen Sitzung beantragt, die nach der Beunruhigung der Eltern einberufen wurde. Aus der Schule heißt es beschwichtigend: „Es gibt keinen Grund zur Panik bezüglich der Sicherheit der Schüler. Alle beteiligten Institutionen handeln im Rahmen ihrer Zuständigkeiten." Das ist PR-Sprache. Eine Standardformulierung für eine Standardkrise. Aber das Problem ist - immer mehr solcher „Standard"-Krisen tauchen in mazedonischen Schulen auf.

Der Kontext dieses Falls ist lehrreich. Der Schüler war vor einiger Zeit von einer Klasse in eine andere versetzt worden, mit dem Ziel, sich besser einzufügen. Es kam zu Differenzen mit den neuen Mitschülern, deren Eltern reagierten. Danach erschienen in sozialen Medien „unangemessene und drohende Nachrichten". Eine Elternversammlung wurde abgehalten, bei der die Eltern verlangten, dass der Schüler versetzt wird. Nach der Versammlung - tauchten weitere Nachrichten auf, diesmal von ganz anderen Personen, mit Ankündigungen beunruhigender Ereignisse.

Dieser Teil der Geschichte ist am alarmierendsten. Nicht nur ein Schüler mit einem Problem, sondern mehrere Personen, die mit Wut und Angst auf sozialen Medien spielen. Das zeigt, dass die Situation nicht mehr im Rahmen eines Einzelfalls liegt. Es ist eine Gruppendynamik - Online-Gewalt, befeuert von der allgemeinen Atmosphäre, nicht nur von einem einzelnen Schüler.

Direktor Nikola Piskačev reichte Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft und dem Sozialamt ein. Begründung: „Obwohl die Inhalte nicht im Rahmen der Schule oder während des Unterrichts veröffentlicht wurden, haben wir den Fall bei den zuständigen Institutionen zur vollständigen Untersuchung gemeldet." Das ist eine institutionelle Entscheidung. Aber die Institutionen haben sich bislang nicht als fähig erwiesen, solche Fälle zu verhindern.

Für den Bitolaer Elternteil, der mit Nerven die Kinder zur Schule begleitet, ist das eine kleine Serie von Schulkrisen in Mazedonien. Der Bitola-Fall ist Teil eines breiteren Trends - Schulgewalt, Online-Drohungen, Gruppenmobilisierung um Streit. Die Frage, die die mazedonischen Institutionen lösen müssen, lautet nicht „Wie reagieren wir?" - sondern „Wie verhindern wir den nächsten Fall?". Vorerst haben wir keine Antwort.