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23.04.2026
23.04.2026
12.04.2026
Ein Schiff, gebaut 1931, mehr als neun Jahrzehnte auf See, und noch immer fähig, eine politische Krise auszulösen. Die „Jadran" - Schulsegelschiff der einstigen jugoslawischen Königsmarine - steht erneut im Zentrum diplomatischer Spannungen zwischen Kroatien und Montenegro. Podgorica betrachtet sie als „kulturhistorisches und militärisches Symbol des Staates". Zagreb besteht darauf, dass sie nach Kroatien zurückkehren muss.
Die montenegrinische Regierung hat diese Woche ein eigenes Koordinationsgremium für den Dialog mit Kroatien gebildet, mit Fokus auf den Status der „Jadran". Geleitet wird die Kommission von Verteidigungsminister Dragan Krapović. Er soll eine Analyse vorlegen und Lösungsvorschläge erarbeiten. Dazu gehört direkte Kommunikation mit der kroatischen Seite und Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen und fachlichen Einrichtungen.
Was 2024 passierte, ist eine kleine, aber entscheidende Seite dieses Streits. Der kroatische Verteidigungsminister Ivan Anušić sagte ein geplantes Treffen mit Krapović wegen Differenzen über die „Jadran" und historische Fragen ab. Das war der Wendepunkt. Der Moment, in dem die bilateralen Beziehungen zweier Länder mit gemeinsamem jugoslawischem Erbe in eine längere blockierte Phase eintraten.
Zagreb sitzt nicht still. Kroatien bildete eine eigene Kommission, um den Antrag auf Rückgabe des Schiffes zu dokumentieren, geleitet von Außenminister Gordan Grlić Radman. Er betonte mehrfach: Dialog sei nötig, aber jede Seite müsse ihre Argumente vorlegen. Diplomatensprache für: Wir haben unsere Version, sie haben ihre - und Kompromiss ist schwer zu erreichen.
Die „Jadran" hat auch ihre eigene umstrittene politische Biografie. Krapović gehört zum Umfeld des montenegrinischen Vize-Premiers Aleksa Bečić, und mehrere montenegrinische Politiker landeten nach der Resolution zu Jasenovac im montenegrinischen Parlament auf Kroatiens Liste unerwünschter Personen. Mit anderen Worten: Dieses Schiff ist kein technischer Streit. Es ist Symptom immer breiterer Differenzen zwischen zwei postjugoslawischen Staaten.
Für einen Balkan-Leser ist das eine archetypische Situation. Staaten, die aus dem Zerfall desselben Systems entstanden, konkurrieren um das Erbe - militärisch, kulturell, historisch. Wem gehört das Schiff? Das Gebäude? Das Denkmal? Das Lied? Der Name? Solche Fragen haben selten juristische Antworten. Es sind Fragen des politischen Willens, regionaler Beziehungen, und am Ende: wer bereit ist, etwas zu geben, um etwas zu bekommen.
Wird die „Jadran" nach Kroatien zurückkehren? In absehbarer Zeit kaum. Wird sie offiziell als montenegrinisch anerkannt? Wahrscheinlich auch nicht. Das wahrscheinlichste Ergebnis: ein langsamer, zäher diplomatischer Weg zu einer Form von Kompromiss - vielleicht gemeinsames Erbe, vielleicht ein mehrjähriges Abkommen mit Hafenbesuchen in beiden Ländern. Der Balkan hätte dann einen weiteren Beweis, dass selbst Streit aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg heute noch spürbar bleibt.
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