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Beim zehnten Mal mag das Gehirn ihn längst: die Psychologie dahinter, warum dir jemand gefällt, den du nicht kennst

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Beim zehnten Mal mag das Gehirn ihn längst: die Psychologie dahinter, warum dir jemand gefällt, den du nicht kennst

Die Frage stellte eine spanische psychologische Praxis, doch sie beantwortet etwas, das jeder von uns jeden Juli erlebt. Ein Fußballer war bis gestern ein Name im Kader. Nach der WM heißt es plötzlich: „Der hat etwas.” An ihm hat sich nichts geändert. Geändert hat sich, wie oft du ihn gesehen hast.

Der Halo-Effekt: eine gute Eigenschaft färbt das ganze Bild

Psychologen nennen das den Halo-Effekt. Eine sichtbare positive Eigenschaft - er ist attraktiv, er ist ein Held, er ist berühmt - kontaminiert die gesamte Wahrnehmung. Wie die Psychologin Aurora López erklärt, schreibst du ihm, ohne ihn zu kennen, bereits Treue, Güte und emotionale Reife zu. Nichts davon hat jemand gesehen. Du fügst es hinzu.

Das gilt nicht nur für Fußballer. Derselbe Mechanismus wirkt, wenn du ein gut gemachtes Kandidatenfoto siehst, einen gut produzierten Wahlspot oder einen Mann, der auf dem Bildschirm souverän wirkt. Das Gehirn nimmt einen Datenpunkt und baut daraus einen ganzen Charakter.

Der Mere-Exposure-Effekt: es reicht, ihn nur anzusehen

Der zweite Mechanismus ist noch unspektakulärer und noch mächtiger. Der Psychologe Robert Zajonc zeigte in den Sechzigern: Je öfter wir etwas oder jemanden sehen, desto mehr gefällt es uns - ohne Grund, ohne echten Kontakt, allein durch wiederholte Exposition.

López erklärt das mit fast mechanischer Präzision: Jedes Mal, wenn du ein Gesicht betrachtest, verarbeitet es das Gehirn. Beim zehnten Mal ist dieses Gesicht dem Nervensystem bereits vertraut, vorhersehbar und sicher. Das ist keine Sympathie, sondern Wiedererkennung, die sich als Sympathie ausgibt.

Wer entscheidet, was du zehnmal siehst

Und hier kommt der Teil, der östlich von Wien mehr ist als Psychologie. Wenn Zuneigung durch Wiederholung wächst, dann bietet derjenige, der entscheidet, welches Gesicht dir zehnmal täglich auf dem Bildschirm erscheint, keine Wahl an - er formt dich. Das gilt für den Algorithmus des Telefons genauso wie für die redaktionelle Linie eines Fernsehsenders.

Psychologen schlagen vier Fragen vor, um zu prüfen, ob die Anziehung deine ist oder in dich hineingelegt wurde: Was weißt du eigentlich über diesen Menschen, was passiert, wenn er vom Bildschirm verschwindet, zieht dich an, was er ist, oder wie du dir vorstellst, dich neben ihm zu fühlen, und schließlich - prüfe es im echten Kontakt.

Die Fragen sind für Schwärmereien und Beziehungen geschrieben. Sie funktionieren genauso gut, wenn statt eines Fußballers ein Politiker auf dem Bildschirm ist.