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Karikaturist, der Putin verspottete, in Polen erschossen: der Bleistift gegen die Kugel

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Karikaturist, der Putin verspottete, in Polen erschossen: der Bleistift gegen die Kugel

Ein Künstler, der den Kreml mit dem Bleistift verspottete, wurde am helllichten Tag auf einer Straße in Polen erschossen. Der russische Karikaturist Semjon Skrepetski (44) wurde am Montagmorgen in Biala Podlaska, Ostpolen, unweit der Grenze zu Belarus getötet. Die Polizei vermutet einen Auftragsmord.

Skrepetski floh 2011 aus Russland, aus Angst vor politischer Verfolgung. Bekannt war er für satirische Zeichnungen gegen Wladimir Putin, den tschetschenischen Führer Ramsan Kadyrow und andere aus der russischen Macht. Nur wenige Tage vor seinem Tod protestierte er vor der russischen Botschaft in Berlin, in der Hand eine Zeichnung, auf der der Sowjetführer Stalin den jungen Putin füttert. Der Bleistift gegen die Kugel - und der Bleistift verlor.

Laut Polizeisprecher gilt: „Wenn jemand auf der Straße auf eine bestimmte Person zugeht und schießt, deutet alles auf Tötungsabsicht hin." Kurz nach den Schüssen nahe dem belarussischen Konsulat wurde ein Mann festgenommen, bei dem der Verdacht besteht, er sei belarussischer Staatsbürger, auch wenn die Behörden die Festnahme offiziell noch nicht bestätigt haben. Der Vorfall fällt in eine Zeit angespannter Beziehungen zwischen Warschau und Moskau wegen angeblicher hybrider Operationen.

Der Balkan kennt diese Geschichte gut - ein Dissident, der von zu Hause flieht und die Grenze für Schutz hält, nur damit die Heimat ihn dort einholt, wo er es nicht erwartet. Wenn ein Regimekritiker nicht einmal tausend Kilometer entfernt sicher ist, richtet sich die Botschaft nicht nur an den Toten. Sie richtet sich an alle, die noch zeichnen, schreiben oder sprechen. Die Frage ist, wer das Zeichen als Nächstes liest - und ob es überhaupt einen sicheren Abstand zu einer Macht gibt, die keinen Spott erträgt.