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Der Pazifik liegt fünf Grad über dem Schnitt: Einer der stärksten El Niños entsteht - bei uns kommt er im Herbst an

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Der Pazifik liegt fünf Grad über dem Schnitt: Einer der stärksten El Niños entsteht - bei uns kommt er im Herbst an

El Niño, eines der stärksten Klimaphänomene des Planeten, verstärkt sich rasant. Neueste Messungen und Klimamodelle zeigen, dass er bis zum Spätherbst und Winteranfang eine Intensität erreichen könnte, wie sie nur sehr selten registriert wird - zu den stärksten seit Beginn instrumenteller Messungen.

Das Phänomen entsteht, wenn die Meeresoberflächentemperatur im zentralen und östlichen tropischen Pazifik deutlich über dem Durchschnitt liegt. Das verändert die atmosphärische Zirkulation, beeinflusst die Jetstreams und löst weltweit Wetteränderungen aus - Temperaturen, Niederschläge, Dürren, Überschwemmungen, Stürme.

Es sind die aktuellen Messwerte, die Meteorologen beunruhigen. In Teilen des zentralen Pazifiks liegt die Oberflächentemperatur mehr als fünf Grad über dem Mittel. Laut dem US-Klimamodell NCEP CFSv2 könnte die Anomalie drei Grad Celsius überschreiten. Alles über zwei Grad fällt in die Kategorie „Super-El-Niño" - ein seltenes, starkes Ereignis. Ursache der schnellen Verstärkung ist eine mächtige warme Unterwasserwelle, bekannt als Kelvinwelle, die eine gewaltige Masse warmen Wassers an die Oberfläche hebt.

Erste Folgen sind bereits sichtbar. Im Juli wurden in den USA und Kanada Muster registriert, die für einen starken El Niño typisch sind; im August wird ein wärmerer west-zentraler Teil der USA erwartet, niedrigere Temperaturen im Osten und weniger Regen im Süden.

Europa reagiert anders als Nordamerika verzögert. In der ersten Augusthälfte wird Hochdruck über dem zentralen, südlichen und südöstlichen Teil des Kontinents erwartet - also auch über uns. Der stärkste Einfluss auf das europäische Wetter, sagen Meteorologen, wird erst im Herbst und Winter spürbar.

Das ist der Teil, den man sich jetzt merken sollte, nicht im November. Treten die Prognosen ein, steigt die Wahrscheinlichkeit längerer Hitzewellen, ergiebiger Niederschläge, Überschwemmungen und Dürren. Das ist keine Vorhersage für einen konkreten Tag - niemand kann sagen, wie das Wetter am 3. Dezember wird. Es ist eine Vorhersage darüber, wie oft das Extrem aufhört, die Ausnahme zu sein.

Die Frage ist also nicht, ob es kommt. Die Frage ist, wer bei uns diese Prognose im August liest - oder warten wir, bis der Fluss uns die Antwort wieder zeigt?