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Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi im Krankenhaus: zwei Herzinfarkte im Gefängnis, 20 Kilo weniger, und ein Testament stiller Tapferkeit

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Die Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi wurde in ein Krankenhaus in Teheran verlegt. Nach zwei Herzinfarkten im Gefängnis - März 2026 und 1. Mai 2026 - geben die Behörden zu, dass sie sie nicht mehr in derselben Zelle halten können, ohne dass es zu offensichtlich wird. Eine vorübergehende Aussetzung der Haftstrafe, im Austausch gegen eine erhebliche Kaution.

Laut der Stiftung ihrer Familie ist ihr Zustand kritisch. Sie hat 20 Kilogramm verloren im Gefängnis. Sie hat Blutdruckspitzen und -abstürze, schwere Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Doppelbilder. Sie hat eine Vorgeschichte mit Lungenembolie. Ihre Familie berichtet, dass sie zeitweise Schwierigkeiten beim Sprechen hat. Mit dem Rettungswagen ins „Pars"-Krankenhaus in Teheran gebracht.

Mohammadi ist 54 Jahre alt. Im Februar dieses Jahres erhielt sie weitere 7,5 Jahre Haftstrafe - nicht für kriminelle Handlungen, sondern für ihre Reden bei Gedenkveranstaltungen für Mahsa Amini und die jungen Frauen, die bei den Protesten 2022 getötet wurden. Insgesamt summiert sich ihre Strafe in 14 Verhaftungen auf über 44 Jahre.

Alles, was sie im Gefängnis erlebt hat - Isolation, wiederholte Verhöre, körperliche Misshandlung, medizinische Vernachlässigung - hat sie dokumentiert. Die Aufzeichnungen wurden heimlich von Mithäftlingen und Besuchern hinausgeschmuggelt, unter Risiko für deren Leben. Sie wurden mehrfach neu geschrieben, nachdem Wärter sie fanden und vernichteten. Ihre Memoiren mit dem Titel „Eine Frau hört nie auf zu kämpfen" erscheinen im September.

Für die Welt ist ihre Geschichte ein Testament dafür, was friedlicher Aktivismus gegen staatliche Repression bedeutet. Für den Balkan ist sie eine Erinnerung, dass unsere eigene Freiheit - die wir als selbstverständlich nehmen - das Ergebnis von 50 bis 100 Jahren Kampf ist, und dass dieser Kampf gerade von Frauen im Iran, in Afghanistan, in Tibet geführt wird. Ihr Kampf ist auch unser Kampf, wenn wir ehrlich mit uns selbst sind. Frieden ist nicht statisch. Er ist aktive Erhaltung.

Eine Frage an alle, die das mit Kaffee in der Hand lesen: Was tun wir für Narges Mohammadi? Wenn ihr nächster Herzinfarkt kommt - falls sie ihn überlebt - werden wir uns an sie als Nobelpreisträgerin erinnern, oder wird ihr Name in einer Woche verschwunden sein? Die Vorstellung von Freiheit beginnt mit der Erinnerung an jene, die mit Blut dafür bezahlt haben. Und gerade jetzt tut das in Teheran eine 54-jährige Frau für uns.