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Biarritz: Das Walfänger-Städtchen, das Kaiserin Eugénie zum aristokratischen Dekor Europas machte

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Biarritz ist eines dieser Orte, die auf dem Papier wie eine Boutique-Tourismus-Geschichte wirken, in Wahrheit aber ein historisches Drehkreuz sind. Die französische baskische Stadt an der Atlantikküste war bis ins 19. Jahrhundert ein Walfängerdorf, bis Kaiserin Eugénie de Montijo, die spanische Adlige und Frau Napoleons III., sie in ein aristokratisches Refugium verwandelte. Von dort ging es für Biarritz nur aufwärts - Belle-Époque-Villen, das Hôtel du Palais, das Art-Déco-Casino und eine russisch-orthodoxe Kirche als Zeichen, dass auch der russische Adel hier den Urlaub nicht ausließ.

Heute ist Biarritz ein eigenartiger Mix - 6 Kilometer wilde Strände, die europäische Hauptstadt des Surfens, und gleichzeitig eine Stadt, in der Kleider von Chanel und Hermès auftauchen. Die spanische Journalistin Helena Resano hat sie als Schauplatz ihres ersten Romans "Las rutas del silencio" gewählt, der Geschichte eines jungen Mädchens, das nach einer Familientragödie ihr Leben Stück für Stück wieder zusammensetzt.

"Biarritz lässt mich komplett abschalten," sagt Resano. "Hier werde ich wieder anonym." Das ist es, was Biarritz als seinen größten Wert verkauft - nicht den Luxus, sondern die Möglichkeit, mittags in einer Menge zu verschwinden.

Für Balkan-Touristen klingt Biarritz vielleicht teuer, und das zu Recht. Aber es gibt einen Tagesausflug, der funktioniert: ein billiger Flug nach Bilbao, dann zwei Stunden Bus nach Biarritz, ein Tag am Strand und Abendessen in einem der hunderten kleinen Fischrestaurants. Macht weniger als 200 Euro, und Sie schauen denselben Sonnenuntergang an, den auch Edward VII. und Kaiserin Eugénie sahen. Geschichte ist für alle gleich.