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Lawrow: Amerika zieht uns ins Kolonialzeitalter zurück - und Europa schaut schweigend zu

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Lawrow spricht selten so direkt - aber im Fernsehinterview am Freitag achtete er nicht auf diplomatischen Wortschatz. Amerika zieht uns ins Kolonialzeitalter zurück, sagte der russische Außenminister. Dann zählte er auf: Staatsstreiche, Entführungen, Attentate auf Führungspersönlichkeiten rohstoffreicher Länder.

Die konkreten Beispiele, die er nannte: die Verhaftung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro im Januar und den Tod des iranischen Obersten Führers Chamenei im Februar - bei US-israelischen Luftangriffen. Schwere Anschuldigungen, ruhig vorgetragen.

Lawrows zentrales Argument ist vereinfacht: Washington redet über Frieden in der Ukraine und drängt Russland gleichzeitig aus den globalen Energiemärkten. Den Druck auf Europa, russisches Gas aufzugeben, nannte er eine Rückkehr zur Kolonialbeziehung - mit Europa in der Rolle einer abhängigen Provinz, nicht als gleichberechtigter Partner.

Ein Teil der Aussagen ist offensichtliche russische Propaganda - insbesondere über Entführungen und Attentate, die mit großer Skepsis betrachtet werden sollten. Aber ein Teil des Arguments über Energiedruck auf Europa resoniert sogar bei Analysten, die keine Sympathisanten Moskaus sind. Europa hat russisches Gas tatsächlich durch amerikanisches LNG ersetzt - zu deutlich höheren Preisen.

Auf dem Balkan, wo die Abhängigkeit von Energieimporten chronisch ist, werden solche Aussagen anders gelesen als in Berlin oder Brüssel. Nicht weil Lawrow Recht haben muss - sondern weil die Fragen, die er stellt, nicht mit einem einfachen das ist russische Propaganda abgetan werden können.