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33-jähriger Boxtrainer raste mit 100 in Leipzigs Fußgängerzone: Zwei Tote, Motiv möglicherweise privat

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Am Montagnachmittag fuhr in einer der belebtesten Fußgängerstraßen Leipzigs - der Grimmaischen Straße - ein weißer Volkswagen Taigo mit 80-100 Stundenkilometern durch eine Menschenmenge beim Einkaufsbummel. Das Fahrzeug kam aus dem Augustusplatz, fuhr in die Fußgängerzone hinein und pflügte weiter, bis Poller es stoppten. Zwei Tote, viele Verletzte. Die Polizei kam schnell - der Fahrer ergab sich ohne Widerstand.

Er ist identifiziert - Jeffrey K., 33 Jahre alt, Hallenwart, verheiratet, mit einem Kind. Anwohner kannten ihn auch als Boxtrainer in einem Leipziger Verein. Das Bild eines Mannes, der nicht ins Klischee eines Terroristen passt. Polizeiquellen behaupten, die Verbindung sei privat gewesen - angeblich ging ein Streit voraus. Eine weitere Behauptung - er habe psychische Probleme gehabt.

Polizeihubschrauber landeten auf dem Augustusplatz. Etwa ein Dutzend Krankenwagen wurden geschickt. Ein Krisenzentrum wurde im benachbarten Gewandhaus eingerichtet. Etwa eine Stunde nach dem Angriff bestätigte der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung die Nachricht, die alle gefürchtet hatten zu hören - eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann, beide deutsche Staatsbürger, waren gestorben.

Für Deutschland ist das ein weiterer Fahrzeuganschlag in weniger als einem Jahr. Magdeburg, München, Mannheim - alle hatten ähnliche Vorfälle, jeder mit einem anderen Hintergrund. Manche waren politisch motiviert, manche das Werk einsamer Täter mit psychischen Problemen, manche bleiben unerklärt. Was gemeinsam ist - die Fußgängerzone ist keine sichere Kategorie mehr. Nirgendwo in Europa ist sie das, aber in Deutschland - das jahrzehntelang eine Kultur des offenen Zugangs zu öffentlichen Räumen pflegte - ist das ein schwerer politischer Schlag.

Die Fragen, die in den nächsten Tagen gestellt werden, sind die üblichen und vorhersehbaren - ob ein politisches Motiv ausgeschlossen werden kann, ob nach einem terroristischen Netzwerk ermittelt wird, ob die psychischen Probleme den Behörden bekannt waren. Die Ermittler in Leipzig bestätigen noch nicht, ob es sich um einen geplanten Angriff handelt oder um einen kriminellen Akt jenseits von Terror. Aber 100 km/h in einer Fußgängerzone sind zu viel für einen Zufall.

Für den Balkan ist das ein weiteres Signal dafür, wie sich europäische Städte verändern. Menschen in Skopje, Sofia und Belgrad haben sich an Polizisten mit Maschinenpistolen an Flughäfen und Bahnhöfen gewöhnt - eine Szene, die in den 90ern und 2000ern das Bild eines „Problems aus dem Westen" war. Jetzt ist das Standard, und Deutschland - das es am längsten vermied - diskutiert nun über Barrieren, Poller, Kontrollpunkte in reinen Fußgängerzonen. Der Augustusplatz wird seine Poller bekommen. Die Frage ist nicht ob - sondern wie viele.