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Explosion in chinesischer Feuerwerksfabrik in Liuyang: 26 Tote, 61 Verletzte - und dasselbe Szenario sahen wir 2002, 2008, 2014, 2019

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In der Stadt Liuyang, Provinz Hunan - bekannt als „Zentrum der chinesischen Pyrotechnik-Industrie" - explodierte am Montagnachmittag eine Feuerwerksfabrik. Die Bilanz - 26 Tote, 61 Verletzte. Der Ort - die Anlage „Huasheng" - ist eine von Hunderten, die den Industriecluster der Stadt bilden.

Die Rettungseinsätze mobilisierten über 1.500 Einsatzkräfte, spezialisierte Suchroboter und eine ganze Reihe von Diensten für Massenanfälle. Präsident Xi Jinping ordnete eine „gründliche Untersuchung" an - eine Formulierung, die im offiziellen chinesischen Wortschatz buchstäblich alles bedeuten kann, von echter technischer Analyse bis zur politischen Auswechslung der Verantwortlichen. Die Behörden behaupten, das Umweltmonitoring habe „normale Bedingungen" gezeigt - eine Aussage, die in dieser Phase selten ohne Misstrauen auskommt.

Die genaue Ursache der Explosion - ist nicht angegeben. Chinas Pyrotechnik-Industrie ist die größte der Welt - sie produziert etwa 90 Prozent des weltweiten Angebots. Aber es ist auch eine Branche mit einer durchgängigen Geschichte von Unfällen. Ähnliche Explosionen ereigneten sich in Liuyang in den letzten 20 Jahren mehrfach - 2002, 2008, 2014, 2019 - jedes Mal mit Toten in zweistelliger Zahl. Offensichtlich ändert sich etwas nicht.

Warum? Weil die Struktur der Branche dezentralisiert ist. Hunderte kleine und mittelgroße Fabriken, viele Familienbetriebe, mit sehr unterschiedlichen Sicherheitsstandards. Die lokalen Behörden schützen die Branche, weil sie die wirtschaftliche Säule einer ganzen Region ist. Das zentrale China verlangt strengere Aufsicht - aber wenn es ernst wird, gibt es immer einen Vorwand. Diese Vorwände kommen auch heute bei uns auf dem Balkan an - „Sicherheitsstandards werden nicht durchgesetzt, weil das Arbeitsplätze kostet". Die verlorenen Leben gehen erst dann in diese Rechnung ein, wenn sie zur Nachricht werden.

Für die Balkan-Pyrotechnikläden - die im Dezember-Januar zur Feiertagszeit immer voll sind - ist das ein leises Signal. Fast alle Zündschnüre, Raketen und Knaller, die auf unseren Märkten verkauft werden, kommen genau aus dieser Region. Wir kaufen ein blutiges Produkt, gebaut auf den Rücken von Arbeitern in einem fernen industriellen Halbschatten. Wie oft denken wir daran, wenn unsere Kinder am 31. Dezember Knaller zünden? Fast nie. Und das ist Teil des Problems.