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Der Palazzo Doria Pamphilj in Rom hat über 1.000 Räume, und die Prinzessin, die ihn hütet, wurde aus einem Londoner Waisenhaus adoptiert: zu Hause bei Velázquez, Caravaggio und Tizian

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Der Palazzo Doria Pamphilj in Rom hat über 1.000 Räume, und die Prinzessin, die ihn hütet, wurde aus einem Londoner Waisenhaus adoptiert: zu Hause bei Velázquez, Caravaggio und Tizian

Im Herzen Roms, an der eleganten Via del Corso, nimmt der Palazzo Doria Pamphilj einen ganzen Block der Altstadt ein. Er beherbergt die berühmte Galerie, eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen der Welt. Der Palast ist seit dem 15. Jahrhundert im Besitz der Familie und wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts umgebaut. Heute kümmern sich Prinzessin Gesine Doria Pamphilj und ihr Mann Massimiliano Floridi um ihn. Für die beiden ist er jedoch nicht in erster Linie Museum, sondern Zuhause - das zufällig auch ein Museum ist.

Über tausend Räume, bewohnt wird ein Flügel

Der Palast hat mehr als 1.000 Räume, von denen nur ein Teil öffentlich zugänglich ist, und ist einer der größten bewohnten Paläste Roms. Das Paar lebt im privatesten Flügel, mit eigenem Garten, abgetrennt vom Rundgang der Besucher. Dort verbringen sie drei Tage pro Woche, den Rest des Jahres leben sie in ihrem Landhaus. Auch Prinzessinnen haben also ein Wochenendhaus. Nur hat ihre Stadtwohnung tausend Zimmer.

Im privaten Teil herrscht keine Museumskälte. Das Englische Zimmer mit einem Porträt von Mary Alethea Talbot, Gräfin von Shrewsbury, dient der Geselligkeit. Der große Esstisch ist mit viktorianischem Besteck, Meißener Porzellan und Baccarat-Kristall gedeckt. Den Kamin ziert eine Landschaft von Pietro Testa, in den Zimmern stehen Skulpturen, ein Cembalo und Betten in warmen Rottönen - Räume, in denen gelebt und nicht nur geschaut wird.

Der Papst im kleinen Kabinett

Das berühmteste Werk des Palasts hängt nicht in einem großen Saal, sondern in einem kleinen Kabinett: Diego Velázquez' Porträt von Papst Innozenz X., einem Vorfahren der Familie - eines der bedeutendsten Porträts des 17. Jahrhunderts. In anderen Räumen hängen Werke von Caravaggio und Tizian, stehen römische Skulpturen, es gibt ein von Annibale Angelini ausgeschmücktes Bad, und im Hauptsaal dominiert „Dädalus und Ikarus“ von Ludovico Lana.

Velázquez' Porträt von Papst Innozenz X. im Palazzo Doria Pamphilj

Eine adoptierte Hüterin

Gesines Geschichte ist vielleicht der ungewöhnlichste Teil des ganzen Palasts. In den 1960er-Jahren wurde sie aus einem katholischen Waisenhaus in London von Prinzessin Orietta Doria Pamphilj und dem britischen Marineoffizier Frank Pogson adoptiert. Auf dieselbe Weise wurde auch ihr Bruder Jonathan adoptiert. Die Eltern erzogen sie zur „Hüterin“ des Familienerbes - etwas, das sie als Verantwortung sahen, nicht als Privileg. Im Haus wurden Ökumene und Nächstenliebe gepflegt, und ihre Mutter engagierte sich rund 40 Jahre ehrenamtlich in einer mit der FAO verbundenen Nichtregierungsorganisation.

Gesine studierte Betriebswirtschaft und verwaltete die Familiengüter. Eine formale Ausbildung in Kunstgeschichte hat sie nicht, abgesehen von dem, was sie in der Schule lernte. Als ihr Vater 1991 erkrankte, übernahm sie die Vermietung und die Aufsicht über die Restaurierungen. Eine Prinzessin, die einen Palast wie ein Unternehmen führt - und das offen sagt.

Das Museum, das Geld verlor

Als sie 1992 Massimiliano heiratete, übernahm er die Leitung des Museums, das damals Verluste schrieb. Gesine gibt zu, dass sie irgendwann vorschlug, das Museum für die Öffentlichkeit zu schließen und nur nach Voranmeldung zu öffnen. Massimiliano überzeugte die Familie, stattdessen Veränderungen zu versuchen - und die Finanzen des Museums verbesserten sich. Sie nennt ihn ihren „Fels“ und sagt, sie ergänzten sich: Sie ist die Praktische, er die künstlerische Seele.

Massimiliano ist ständiger Diakon der katholischen Kirche und assistiert bei der Messe in der Palastkapelle, in der sich ein Fresko von Tommaso Minardi und ein Elfenbeinkruzifix unter den Reliquien befinden. Die beiden lernten sich nach einem Konzert im Oratorio del Gonfalone in Rom kennen und heirateten innerhalb eines Jahres. Zuvor hatte er bei der Caritas in Rom ehrenamtlich gearbeitet, Mahlzeiten an Obdachlose verteilt und mit jungen Drogenabhängigen gearbeitet.

Das von Annibale Angelini ausgeschmückte Bad im Palazzo Doria Pamphilj

Vier Töchter, keine im Geschäft - vorerst

Das Paar hat vier Töchter. Anna arbeitet in der Eventorganisation und soll in die Galerie einsteigen. Orietta macht eine Ausbildung zur Bibliothekarin, um die alte Bibliothek an der Piazza Navona zu katalogisieren. Elisa ist Sängerin und Songwriterin mit Interesse an Musiktherapie, Irene hat in London einen Master in Musical abgeschlossen und träumt von den Bühnen des West End. Keine arbeitet bislang direkt im Familienunternehmen.

Der Palast lebt inzwischen auch jenseits der Mauern der Galerie: Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, Buchpräsentationen und Konzerte, die mit Werken verbunden sind, die die Familie über die Jahrhunderte gefördert hat. Eine neue Partnerschaft mit der Oper Rom brachte Händels Oratorium „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“ auf die Bühne, dessen Libretto ein Vorfahr schrieb, Kardinal Benedetto Pamphilj.

Niemand von uns hat einen Velázquez im Flur. Doch die Lektion von der Via del Corso gilt auch für eine Wohnung mit sechzig Quadratmetern: Ein Zuhause ist kein Museum, wenn niemand darin lebt, und ein Erbe ist Arbeit, keine Trophäe. Wie viele Familienhäuser verfallen, weil alle Erben sein wollen und niemand Hüter?