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Putin öffentlich: Der Westen verliert die Regeln, der Globale Süden hört euch nicht mehr

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Vladimir Putin verkündete auf dem Forum "Offener Dialog" in Moskau seine neue These - die Welt sei in "tiefer Transformation", und die Regeln des Westens würden ihre "bindende Kraft" verlieren.

Von Putin und allen Medien in Moskau ist das keine Überraschung. Die Rhetorik einer "multipolaren Welt" baut der Kreml seit Jahren. Aber ein Element ist neu - der Ton ist explizit triumphalistisch. "Länder, die ihre Souveränitäten in Schlüsselsektoren bewahrt haben, werden immer bedeutender", erklärte Putin. Übersetzung - der Globale Süden hört uns (dem Westen) nicht mehr, er hört uns.

Wirtschaft, Finanzen, Technologie, Demographie - alle laut Putin durchlaufen "unumkehrbare Veränderungen". Klingt wie eine Rede für ein Heimpublikum, aber das Publikum ist breiter. Das Forum versammelte Vertreter aus über 120 Ländern - von afrikanischen Staaten bis Indien, Brasilien und Kasachstan.

"Das Modell globaler Entwicklung wird nur dann nachhaltig und gerecht sein, wenn es auf den Prinzipien der Gleichberechtigung und gegenseitigen Achtung basiert", erklärte Putin. Eine Rhetorik, die in einem europäischen Umfeld ohne Ironie vernünftig klingt. Aber wenn der Anführer eines Landes spricht, das sich in einem aktiven Krieg auf fremdem Territorium befindet - hat "gegenseitige Achtung" einen anderen Geschmack.

Für den Balkan hat Putins Vision konkrete Geopolitik. Serbien stützt sich darauf - Aleksandar Vucic baut erneut ein Szenario für allmähliche Orientierung an russischen Wirtschafts- und Energiekreisen. Nordmazedonien, in der NATO, ist auf der anderen Seite. Aber Wirtschaft hat keinen Pass - und wenn russisches Gas, indisches Öl und chinesische Technologie in einer Kette zusammenlaufen, verwischen die Linien.

Die Frage, die Putin nicht beantwortet: Bedeutet "multipolare Welt" eine gerechtere Welt oder nur eine größere Auswahl an Herren? Die Geschichte gibt nicht viele Beispiele für Ersteres.