Skip to content

Architekt Jaime Salvá: Der Grundriss ist wichtiger als jedes Material - und die drei Dinge, an denen Sie beim Renovieren nicht sparen dürfen

1 Min. Lesezeit
Teilen
Architekt Jaime Salvá: Der Grundriss ist wichtiger als jedes Material - und die drei Dinge, an denen Sie beim Renovieren nicht sparen dürfen

Die meisten Renovierungen beginnen mit einem Fliesenkatalog und enden mit einem Foto für Freunde. Der spanische Architekt Jaime Salvá vom Studio Jaime Salvá Arquitectura & Interiorismo schlägt einen anderen Anfang vor: Eine gute Renovierung soll nicht nur eine schönere Wohnung ergeben, sondern ein Zuhause, in dem man wirklich besser lebt. Nachhaltigkeit ist für ihn nicht nur die Solaranlage auf dem Dach - sondern auch ein Haus, das nicht in wenigen Jahren veraltet.

Ein Haus, das gut altert, will nicht für immer neu aussehen

Seine Definition ist kurz: „Gut gestalten, was bleibt, und Freiheit lassen, um zu ändern, was sich unvermeidlich ändern wird.“ Ein Haus altert gut, wenn das Vergehen der Zeit schon in der Planung vorgesehen war - wenn es den Bewohnern weiterhin dient, wenn Materialien Patina statt Schäden bekommen und wenn es sich leicht pflegen und reparieren lässt. Stein, Holz und Metall können schön altern, wenn das von Anfang an geplant ist. Vor allem aber muss ein Zuhause Veränderungen in der Familie aushalten: neue Babys, Teenager, die zum Studium gehen, Eltern, die älter werden.

Die Fehler, die ein Haus vorzeitig altern lassen

Salvá zählt sie ohne viel Diplomatie auf. Erstens: Design fürs fertige Foto statt für den Alltag. Zweitens: zu spezifische Räume, in denen die Möbel nur auf eine Art stehen können. Drittens: komplizierte Baulösungen. Und viertens: schwierige Wartung - Leitungen, an die man nicht herankommt, Glas, das sich nicht putzen lässt, zu viele Maßanfertigungen und Technik, die nach ein paar Jahren keinen Support mehr hat. Einfache, gut ausgeführte Systeme bedeuten meist weniger Defekte und leichtere Pflege. Wie viele „smarte“ Wohnungen haben nach fünf Jahren Schalter, die niemand mehr reparieren kann?

Der Grundriss ist wichtiger als jedes Material

Das ist vielleicht der wichtigste Satz des Gesprächs: Ein guter Grundriss beeinflusst die Langlebigkeit eines Zuhauses stärker als jedes Material oder jede Oberfläche, weil sich das Leben schneller ändert als Gebäude. Salvá behauptet nicht zu wissen, wie wir in 20 oder 30 Jahren leben werden. Deshalb empfiehlt er gute Raumproportionen, zugängliche Leitungen, eine klare Konstruktion, Räume für mehrere Zwecke und barrierefreie Bewegung. Homeoffice, Technik und neue Familienmodelle wurden früher schlecht vorhergesehen - aber, sagt er, Reserven lassen sich einplanen.

Wohnzimmer mit Glasschiebetüren

Weder überall Wände noch komplett offener Raum

Der Architekt warnt vor zwei Extremen. Wohnungen, die in zu viele kleine Zimmer zerstückelt sind, altern schlecht - aber ebenso schlecht können komplett offene Räume altern, sobald Privatsphäre, Schallschutz oder das Zusammenleben mehrerer Generationen nötig werden. Seine Lösung sind Stufen der Verbindung, etwa eine Küche, die zum Wohnzimmer offen ist, sich aber schließen lässt. „Flexibilität heißt nicht weniger Wände, sondern gut durchdachte Trennungen“, sagt er. Deshalb zählen auch „nützliche Wände“: Die Lage von Türen und Fenstern bestimmt, wo die Möbel in den kommenden Jahrzehnten stehen.

Das Zimmer, das Sie heute sehen, und das, was es morgen sein kann

Das Schlafzimmer kann morgen Büro, Kinderzimmer, Atelier, kleiner Fitnessraum oder Gästezimmer sein. Daran sollte man vorher denken: Wo können Möbel hin, wo ist Stauraum, wie gut ist der Schallschutz, wo liegen Strom- und Internetanschlüsse? Ein Zimmer nahe am Bad, ohne Stufen erreichbar, bringt zusätzliche Flexibilität. Schiebetüren, bewegliche Wände und Modulsysteme helfen, dürfen aber kein Selbstzweck sein - Salvá bevorzugt eine von Natur aus flexible Architektur und setzt Mechanik nur dort ein, wo sie wirklich Mehrwert bringt.

Sonne, Schatten und Durchzug vor der Klimaanlage

Ausrichtung des Hauses, Sonnenschutz - Markisen, Rollläden, Lamellen, Pflanzen - und natürliche Belüftung sind wichtiger als die Klimaanlage. Ein gutes Beispiel ist ein Passivhaus von Slow Studio, das für Querlüftung entworfen wurde. Komfort beginnt vor der Maschine, nicht mit ihr.

Passivhaus mit Veranda und Holzläden

Trends von Instagram und Pinterest

Salvá lehnt keinen Trend von vornherein ab. Holzlamellen, gerundete Wände, LED-Linien, durchgehende Böden und monochrome Paletten können am richtigen Ort funktionieren. „Was am schlechtesten altern wird, ist wohl ihre wahllose Wiederholung“, sagt er. Seine Regel: Dauerhafte Entscheidungen zurückhaltend treffen, leicht austauschbare Ebenen - Textilien, Farben, Deko - verspielter gestalten.

Ein Zuhause für alle Lebensphasen

Universelles Design ist nicht nur etwas für Ältere: Eine bodengleiche Dusche, keine unnötigen Stufen und bequeme Übergänge helfen Kindern, Eltern mit Kinderwagen, jemandem mit gebrochenem Bein und alten Menschen. Bei mehrstöckigen Häusern kann der Platz für einen künftigen Aufzug schon zu Beginn eingeplant werden. Studien legen nahe, das Zuhause zwischen 55 und 65 Jahren anzupassen - solange man noch die Kraft hat, das zu organisieren.

Wo Sie nicht sparen sollten

Wer renoviert, sollte laut dem Architekten an drei Stellen nicht sparen, weil es sich teuer rächt. Erstens an der Planung, denn Planen ist fast immer billiger als spätere Reparaturen. Zweitens an der Gebäudehülle und am Komfort: Dämmung, Fensterrahmen, Verglasung und Schallschutz. Drittens an der Haustechnik - gut dimensioniert, effizient, zugänglich und reparierbar, nicht unbedingt die teuerste Technologie. Ein Sofa lässt sich austauschen. Schlechte Dämmung - viel schwerer.

Vor allem beginnt eine Renovierung mit einer Diagnose: Fassade, Dach, Fenster, Wärmebrücken, Sonnenschutz, Belüftung, Außenlärm und Haustechnik. Wer die Fenster tauscht, muss die Lüftung neu durchdenken. Ziel ist ein Zuhause, das ruhiger ist, eine gleichmäßige Temperatur hält, energieeffizient und angenehmer zum Leben ist. Wie viele Renovierungen beginnen mit der neuen Badfliese statt mit Fenstern und Dämmung?