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Russland trifft Kiews Energieversorgung, und Selenskyj und Klitschko streiten, wer an der Kälte schuld ist

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Russland trifft Kiews Energieversorgung, und Selenskyj und Klitschko streiten, wer an der Kälte schuld ist

In Kiew begann am 16. Oktober die Heizperiode - zuerst für Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten. Die Bewohner der Bezirke Dniprowskyj und Darnyzkyj bekamen die Heizung nicht sofort, weil eine Energieanlage schwer beschädigt war. Russische Raketen- und Drohnenangriffe auf die Energieinfrastruktur haben Teile der Stadt erneut ohne Strom und Wasser gelassen. Und statt einer gemeinsamen Front gegen die Kälte bekam Kiew noch einen politischen Krieg - zwischen Präsident und Bürgermeister.

Selenskyj eröffnete ihn am 13. Oktober, als er die Hauptstadt öffentlich kritisierte. „Praktisch im ganzen Land, sogar in den Grenzgebieten und in den frontnahen Regionen, ist die Umsetzung der Resilienzpläne auf einem höheren Niveau als in Kiew“, sagte er. Als Beleg führte er an, dass Teile der Stadt selbst nach begrenzten Angriffen auf die Energieversorgung ohne Strom und Wasser bleiben - was seiner Ansicht nach zeigt, dass sich die Stadtverwaltung nicht vorbereitet hat.

Vitali Klitschko blieb ihm nichts schuldig. „Es werden haltlose Vorwürfe über ein angebliches Scheitern der Heizperiode erhoben, verbreitet von Medien, die der Zentralregierung nahestehen“, konterte der Bürgermeister. Seiner Darstellung nach nutzt die Präsidialverwaltung die durch russische Angriffe verursachten Probleme, um die kommunale Selbstverwaltung zu schwächen und Bürgermeister auszutauschen, die nicht unter ihrer politischen Kontrolle stehen. „Wir haben einen Feind, und sie führen Krieg gegen die kommunale Selbstverwaltung“, so Klitschko.

Am 14. Oktober wurde Klitschko zum Bericht vor die Werchowna Rada geladen. Vor den Abgeordneten zählte er die Zahlen auf: Die Stadt habe 700 Generatoren für Wasser- und Fernwärmesystem beschafft, 70 mobile Heizkessel, drei Dieselkraftwerke und eine Notwasserversorgung. Dann spielte er den Ball zurück - die Zentralregierung habe, so seine Behauptung, Gelder für einen Teil der Energieprojekte blockiert, deshalb hätten sich die Arbeiten verzögert. Er stellte auch die Frage, wer für die Luftverteidigung der Hauptstadt und den Schutz der Energieanlagen verantwortlich ist - denn von der Stadt verlangt man Rechenschaft für Dinge, über die sie keine volle Kontrolle hat.

In diesen Streit mischt sich nun die Einschätzung des ukrainischen Politologen Ruslan Bortnyk. Er behauptet, Selenskyj könnte schon in den kommenden Wochen die Absetzung Klitschkos einleiten, und die Präsidialverwaltung bereite wegen der Unzufriedenheit mit der Energielage und der Wintervorbereitung bereits einen Nachfolger vor. Das ist die Behauptung eines einzelnen Analysten, keine offizielle Entscheidung. Doch wenn der Präsident die Hauptstadt öffentlich zum am schlechtesten vorbereiteten Ort des Landes erklärt, wirkt das Szenario alles andere als weit hergeholt.

Klitschko wurde von den Einwohnern Kiews gewählt, daran erinnerte er selbst vor der Rada. Selenskyj ist Präsident eines Landes im Krieg. Kommt bekannt vor? Zentralmacht und Stadt aus verschiedenen Lagern schieben sich die Schuld zu, während die Menschen auf warmes Wasser warten. In Kiew kann wenigstens niemand bezweifeln, dass das Problem echt ist - die Raketen fallen wirklich. Die Frage ist nur, ob die beiden den Winter mit Streiten verbringen statt mit Reparieren.