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Schlaf braucht zwei Signale, und wir löschen beide: Eine Schlafexpertin nennt den Bildschirm vor dem Einschlafen einen „direkten Angriff“ auf das Melatonin

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Schlaf braucht zwei Signale, und wir löschen beide: Eine Schlafexpertin nennt den Bildschirm vor dem Einschlafen einen „direkten Angriff“ auf das Melatonin

Wenn wir über schlechten Schlaf reden, beschuldigen wir meist die Matratze, das Kissen oder den Kaffee am Nachmittag. Licht steht selten auf der Liste. Dabei ist es laut Dr. Sofía Rodríguez Moroder, Spezialistin für zahnärztliche Schlafmedizin in der Klinik Craneo Salud, einer der am meisten unterschätzten Faktoren.

„Der Schlafbeginn ist ein sehr empfindlicher biologischer Prozess“, erklärt sie. Zum Einschlafen braucht der Organismus zwei Signale: ein allmähliches Sinken der Körpertemperatur und ein allmähliches Nachlassen des Lichts. Das Problem: Das moderne Leben hat beide durch künstliche Reize ersetzt.

Melatonin liest keine Nachrichten

Licht ist eines der wichtigsten Zeichen, mit denen das Gehirn den zirkadianen Rhythmus abstimmt, die innere Uhr, die entscheidet, wann wir wach sind und wann wir schlafen sollten. Wenn das natürliche Licht in der Dämmerung schwindet, beginnt die Zirbeldrüse Melatonin auszuschütten, das Hormon, das dem Schlaf hilft, einzusetzen und anzuhalten. Das intensive blaue Licht der Bildschirme bremst diese Ausschüttung. Die Botschaft ans Gehirn ist klar: Es ist Tag, bleib wach.

Deshalb nimmt die Expertin kein Blatt vor den Mund: Vor dem Schlafengehen zu Hause vor Fernseher oder Handy zu sitzen, sei ein „direkter Angriff“ auf diesen Prozess.

89.000 Menschen und eine unangenehme Zahl

Eine in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie, die die Lichtgewohnheiten von fast 89.000 Erwachsenen analysierte, ergab: Wer nachts dem meisten Licht ausgesetzt war, hatte ein um 21 bis 34 Prozent höheres Sterberisiko aus jeglicher Ursache als jene, die in dunkleren Räumen schliefen. Wichtiger Hinweis: Die Daten allein beweisen nicht, dass Licht das höhere Risiko direkt verursacht. Sie zeigen, dass nächtliche Beleuchtung viel mehr Forschung verdient, als sie bekommt.

Was tatsächlich hilft

Das Rezept ist nicht teuer. Bildschirme gehen ein bis zwei Stunden vor dem Schlafen aus, das Handy in den Flugmodus. Grelle weiße Lampen am Abend werden durch schwache Leuchten ersetzt. Der Fernseher läuft nicht „zur Gesellschaft“ im Hintergrund, und Benachrichtigungen werden nicht im Bett gecheckt. Der schönste Rat ist auch der billigste: den Sonnenuntergang vom Balkon, der Terrasse oder der Türschwelle aus anschauen, als Zeichen, dass der Tag endet.

Unsere Großmütter hatten keine Schlaf-Apps, aber sie hatten dunkle Zimmer und Abende ohne Bildschirme. Wie viele von uns schlafen heute mit dem Handy in der Hand ein und wundern sich dann, warum der Wecker wie eine Strafe klingt?