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Kuchen für die Seelen: Im Mittelalter erbaten die Engländer sie von Tür zu Tür und beteten dafür für die Toten des Hauses

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Kuchen für die Seelen: Im Mittelalter erbaten die Engländer sie von Tür zu Tür und beteten dafür für die Toten des Hauses

In Mazedonien bringt man an Zadušnica, den Totengedenktagen, gekochten Weizen auf den Friedhof und verteilt Essen „für die Seele“. Die Engländer des Mittelalters hatten ihre eigene Version dieses Gedankens, nur in Form eines Gebäcks. Sie hießen Soul Cakes - Seelenkuchen - und wurden zu Allerheiligen gebacken. Die Leute gingen von Tür zu Tür und baten darum, im Gegenzug beteten sie für die Seelen der Verstorbenen des Hauses, das sie beschenkte. Manchmal sangen sie dabei traditionelle Lieder.

Der Brauch, Souling genannt, erlosch mit der Zeit, hielt sich in manchen Gegenden Englands aber jahrhundertelang. Wegen des Gangs von Tür zu Tür gilt er als einer der historischen Vorläufer des heutigen „Süßes oder Saures“ an Halloween. Heute findet man Soul Cakes selten in englischen Konditoreien: Sie werden zu Hause gebacken, im Herbst, bei Kulturveranstaltungen und bei Nachstellungen alter Bräuche.

In der Form liegen sie irgendwo zwischen dickem Plätzchen und süßem Gebäck, mit unverkennbar würzigem Geschmack. Ein einziges Rezept gibt es nicht, aber die meisten Varianten haben Rosinen oder Korinthen und ein eingeritztes Kreuz. Für 20 bis 24 Stück braucht man: 300 Gramm Mehl, 125 Gramm kalte ungesalzene Butter in Würfeln, 90 Gramm weißen Zucker, ein Eigelb, 50-60 Gramm Rosinen, je einen Teelöffel gemahlenen Zimt, je einen Viertelteelöffel Muskat und Ingwer, eine Prise gemahlene Nelken, einen Esslöffel Haferflocken, zwei bis vier Esslöffel Milch, nach Wunsch einen Teelöffel Apfelessig und eine Prise Salz.

Den Ofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen und ein Blech mit Backpapier auslegen. In einer Schüssel Mehl mit Gewürzen und Salz mischen, dann die Butter zugeben und mit den Fingerspitzen einreiben, bis die Masse wie feine Brösel aussieht. Das ist die ganze Technik: nicht übertreiben, denn zu stark bearbeiteter Teig ergibt harte Plätzchen. Dann mit einem Löffel Zucker, Haferflocken und Rosinen unterrühren.

Das Eigelb mit zwei Esslöffeln Milch und dem Essig leicht verquirlen und über die trockenen Zutaten gießen. Bröselt der Teig, löffelweise Milch zugeben, bis er kompakt, weich und gut zu verarbeiten ist, aber nicht klebt. Auf einer bemehlten Fläche etwa einen halben Zentimeter dick ausrollen und Kreise von 6 bis 7 Zentimetern mit einem Ausstecher oder einem Glasrand ausstechen. Reste zusammenkneten und erneut ausrollen.

Mit etwas Abstand aufs Blech legen und mit der Messerspitze in jedes ein Kreuz ritzen, ohne ganz durchzuschneiden. 15 bis 20 Minuten backen, je nach Dicke - herausnehmen, wenn die Ränder goldgelb und die Oberseite noch blass ist. Einige Minuten auf dem Blech lassen, denn warm zerbrechen sie leicht, dann auf einem Gitter abkühlen lassen. Zu Tee oder Kaffee. Und das Gebet bleibt, dem Brauch nach, dem Gastgeber überlassen.