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Ein Remis bei der WM, Spannung auf den Strassen von Novi Travnik: wie flach die Normalität vergraben ist

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Ein Remis bei der WM, Spannung auf den Strassen von Novi Travnik: wie flach die Normalität vergraben ist

Ein Fußballpunkt am anderen Ende der Welt, und im Zentrum von Novi Travnik flammt die Spannung auf. Nach dem Remis von Bosnien und Herzegowina gegen Kanada (1:1) bei der Weltmeisterschaft zogen bosnische Fans feiernd durch die Straßen - und stießen vor dem Café „Caffe Star“ mit einer Gruppe kroatischer Fans zusammen.

Zu einem größeren Vorfall kam es nur deshalb nicht, weil die Polizei bereits mit verstärkter Sicherung vor Ort war. Die Beamten schoben sich rasch zwischen die beiden Gruppen, bildeten eine Absperrung und trennten sie, bevor der körperliche Zusammenstoß eskalieren konnte. Es blieb bei einer verbalen Auseinandersetzung mit Geschubse - keine Verletzten, kein nennenswerter Schaden und keine Festnahmen.

Und hier liegt der ganze Punkt. Eine Nationalmannschaft spielt auf einem anderen Kontinent ein Remis, und auf den Straßen daheim erwachen sofort die alten Trennlinien. In einem Land, in dem das Zusammenleben stets an einem dünnen Faden hängt, genügt ein Spiel, um uns daran zu erinnern, wie flach das vergraben ist, was wir „Normalität“ nennen.

Der Balkan sieht das mit einem lachenden, einem besorgten Auge. Fußball ist hier längst mehr als Sport - er ist Vorwand, Ventil, manchmal auch Zündschnur. Gut, dass die Polizei eine Schlägerei in Novi Travnik verhinderte. Schlechter ist, dass jede Feier bewacht werden muss, weil immer das Risiko besteht, dass die Freude der einen zum Anlass für eine Abrechnung mit den anderen wird.